«Wir verfolgen die Situation genau»
Die Schweinepest, die Anfang Januar in den beiden norditalienischen Provinzen Piemont und Ligurien aufgetaucht ist, ist hochansteckend. «Allerdings nur zwischen Schweinen», präzisiert der Bündner Kantonstierarzt Giochen Bearth im Interview mit Radio Südostschweiz. Wildschweine und Hausschweine könnten demnach von diesem Virus befallen werden, andere Tiere und Menschen seien aber nicht betroffen, so Bearth. Obwohl Menschen sich beim Verzehr von Fleisch nicht anstecken könnten, sei der Import von Fleisch- und Wurstwaren aus Schweinefleisch gefährlich. «Dabei kann das Virus nämlich innert Kürze über grosse Distanzen verschleppt werden», sagt Bearth. Indem Fleisch als Lebensmittelabfall im Futtertrog von Schweinen landet, kann es das Virus übertragen. Deshalb ist für Bearth klar: Der entscheidende Verbreitungsweg ist nicht jener von den Wildtieren zu den Haustieren oder umgekehrt, sondern jener über den Tourismus.
Aufmerksame Wartestellung
In Graubünden sind gemäss Bearth derzeit keine speziellen Vorsichtsmassnahmen geplant. «Wir verfolgen die Situation in Ligurien und Piemont genau, beobachten, was die italienischen Behörden unternehmen und sind in engem Kontakt mit dem Tessiner Kantonstierarzt.»
Besondere Massnahmen der Konsumentinnen und Konsumenten sind in Bearths Augen im Moment nicht nötig. «Für das Fleisch aus den betroffenen italienischen Regionen haben die italienischen Behörden ein Exportverbot ausgesprochen. Somit kann italienisches Schweinefleisch, das in den Läden angeboten wird, bedenkenlos gegessen werden.» Dennoch sollten Schweinezüchter als Sicherheitsvorkehrung aktuell das Verfüttern von Lebensmittelabfällen unterlassen.
Sollten in den nahen Grenzgebieten von Graubünden oder gar innerhalb der Kantonsgrenzen dennoch Fälle von Schweinepest auftauchen, würden schnell Massnahmen ergriffen, so Bearth. «Wir kennen die Schweinebetriebe in Graubünden, eine Kontaktaufnahme könnte im Notfall rasch erfolgen.»
Auf welchem Weg die Schweinepest nach Norditalien verschleppt wurde, ist gemäss Bearth noch nicht bekannt. Als 2018 brach die Schweinepest in China ausbrach, mussten Millionen von Schweinen notgeschlachtet werden. Seit ein paar Jahren beschäftigt die Epidemie Osteuropa, im vergangenen Jahr vermeldete auch Deutschland Fälle von infizierten Wildschweinen aus Polen.
Auch das Geflügel bleibt nicht von Seuchen verschont: Vergangene Woche sind im zürcherischen Niederglatt in einem Geflügelbetrieb Fälle der hochansteckenden Viruserkrankung Newcastle Disease aufgetreten. Auch hierzu tauschen sich die Kantonstierätzte regelmässig aus. Der Kanton Zürich werde diesbezüglich materiell und personell von anderen Kantonen unterstützt, erklärt Bearth. Eine akute Gefährdung des Bündner Geflügels sieht er aber nicht. «Diese Krankheit trat isoliert in Niederglatt auf, und die Behörden haben Schutz- und Überwachungszonen in der Region eingerichtet.» Die Krankheit Newcastle Disease werde meist durch Importe eingeschleppt und trete deswegen oft sehr lokal auf. Dann bestehe die grosse Herausforderung darin, schnell und effizient zu handeln, um einen weiteren Ausbruch der Krankheit zu verhindern. «Sie betrifft aber hauptsächlich Nutztiergeflügel.»
Viruserkrankung bei Geflügel im Kanton Zürich
Derzeit ist Graubünden weder von der Schweinepest noch von Newcastle Disease betroffen. Als bedrohlicher schätzt Bearth die Schweinepest ein. «Hier sind wir in einer Art Sandwichposition: Sowohl in Italien wie auch in Deutschland gab es Fälle von dieser Krankheit.»