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Schweiz und Welt

«Wir und die Kunden wünschen uns Lockerungen»

Mara Schlumpf (mas)
20.06.2020, 04:30 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Nach dem beinahe zweimonatigen Lockdown waren sie bei den ersten, die wieder öffnen durften: die Coiffeursalons. An jenem Montag im April bildeten sich lange Schlangen vor den Salons, freudig streckten die ersten glücklichen Kundinnen und Kunden anschliessend ihre Nach-Quarantäne-Mähne in die Kameras der angereisten Fernsehteams.

Möglich machte dies das Schutzkonzept, welches jedes Coiffeurgeschäft einhalten muss. Zwar kann dieses Konzept im Detail unterschiedlich aussehen, dennoch gibt es gewisse Grundregeln, die für eine Wiederaufnahme der Arbeit unerlässlich waren. Regelmässiges Desinfizieren der Arbeitsplätze und Werkzeuge, Handdesinfektion für Kunden und Coiffeure sowie Maskenpflicht. Kein Problem, schliesslich sichern diese Massnahmen das regelmässige Einkommen. Sollte man meinen. Wie sich nun aber rausstellt, zeichnet sich bei den lokalen Coiffeuren langsam der Lagerkoller ab. Während der Bund nämlich immer mehr Lockerungen beschloss, blieben die Coiffeure aussen vor – für sie gilt nach wie vor, was auch Ende April gegolten hat.

Zwar kämen die Kunden sehr gut mit den Massnahmen klar, sagen Jsabell Frei und Barbara Cadosch vom «HoorParadiis» in Chur. Aber: «Mit einzelnen Kunden haben wir grosse Diskussionen und das ist sehr anstrengend.» Auch wenn die Beiden finden, dass der Bund im Grossen und Ganzen gut gearbeitet hat. «Bis jetzt hat es bei uns keine nennenswerten Lockerungen gegeben. Das können die Kunden manchmal nur schwer akzeptieren.»

Die Masken sind das Problem

Besonders die Maskenpflicht scheint ein Stachel im Fleisch der Kunden von Delia Rausa von der «Haaroase» in Chur zu sein. Grundsätzlich ist auch sie mit den Entscheidungen des Bundes einverstanden und zufrieden. Doch auch hier folgt ein Aber: «Wir und unsere Kunden wünschen uns eine Lockerung bezüglich der Maskenpflicht im Geschäft.»

Für das Masken-Problem findet auch die Churer Coiffeuse Kim Bertsch klare Worte. Sie sei sehr froh, dass sie dank den Masken ihre Kunden wieder bedienen dürfe. Allerdings würde sie es befürworten, wenn nur bei Risikopatienten eine Maskenpflicht gelten würde. In jedem anderen Fall solle der Kunde selber entscheiden können, ob er und somit auch die Coiffeuse eine Maske trage. «Denn gerade bei Typveränderungen und Anpassungen an die Gesichtsform ist eine Maske hinderlich. «Ausserdem gehen mit der Maske alle Emotionen verloren. Ich fand es immer sehr wichtig zu sehen, wie sich mein Kunde fühlt», erklärt Bertsch.

Sicher hingegen fühle man sich beim Arbeiten, bestätigten die befragten lokalen Coiffeusen. Das Schutzkonzept funktioniere und der Grossteil der Kunden sei ebenfalls zufrieden.

Coiffure Suisse schrieb Ende Mai einen offenen Brief an Alain Berset. Darin fordern sie eine Lockerung der aufgestellten Schutzmassnahmen für die Coiffeurbranche. Darin schlägt Damien Ojetti, Zentralpräsident von Coiffure Suisse aber genau den gegenteiligen Weg vor. So heisst es in dem Brief, man solle doch die 2-Meter-Regel aufheben. Wenn alle Beteiligten eine Maske tragen würden, wäre diese hinfällig und man könnte so wieder den kompletten Salon nutzen. Welches Anliegen bei den arbeitenden Coiffeusen und Coiffeuren schwerer wiegt, also ob die Maske weg kann oder unerlässlich ist, wird dadurch nicht klarer. Auf Anfrage von «suedostschweiz.ch» wollte die Sektion Graubünden von Coiffure Suisse keine Stellung nehmen.

Wann mit Lockerungen seitens des Bundesrats zu rechnen ist, ist weiterhin unklar. Selber dürfen die Salons die Sicherheitsmassnahmen allerdings nicht lockern. Zwar gilt ab Montag nur noch eine 1.5-Meter-Regel, diese 0,5 Meter sind in einem Coiffeursalon aber ein Tropfen auf den heissen Stein. So müssen die Coiffeusen und Coiffeure bis zu dem erlösenden Beschluss des Bundesrats ihre Kunden besänftigen – und Maske tragen.

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