Wie lange gibt es noch Zeitungen?
von Fridolin Hauser
Kürzlich am Stammtisch: «Über 400 Schtutz für ds Abonämaa, viel z'tüür! Ha si gad abbschtellt!» Dann wird die Glarner Presse nach Strich und Faden durchgenommen. Das Thema wechselt, als ein anderer entgegnet: «Z'tüür? Nää, wännt ds Ummätuä nuch rächnisch und di hüttigä Lüü, dä isch ä Franggä und äs paar Rappä im Taag ja nüüt meh!» Ein Junger beteiligt sich nicht am Gespräch; er tippt auf seinem Smartphone, Zeitung lese er schon lange nicht mehr.
Welch ein Kontrast zu den Zeiten, als nach dem Mittagessen Stille herrschte, weil der Vater die Zeitung las. Damals gab es die «Glarner Nachrichten», die «Neue Glarner Zeitung», das «Volksblatt» und den «Glarner Unterländer Anzeiger». Heute existieren noch eine Tageszeitung und zwei gedruckte Wochenzeitungen. Auch die nationalen Medien sind im Umbruch.
Hochaktuelle Fragen
Die Idee der Volkshochschule, den NZZ-Reporter und Stadtglarner Martin Beglinger zur provokanten Fragestellung «Wie lange gibt es noch Zeitungen?» einzuladen, ist daher hochaktuell. Er kennt seit 40 Jahren die Zeitungsbranche von der Pike auf (siehe Box). Beglinger hat den Übergang von den traditionellen Printmedien zum Internet an der Front miterlebt.
Zeitungen sind zur «vierten Gewalt» aufgestiegen mit dem Zweck, Öffentlichkeit herzustellen. Sie sind wichtig für die Meinungsbildung. Ist diese Funktion am Zerbröckeln? Kann man angesichts von «Fake news» den Medien noch trauen?
Bisher wurden Zeitungen weitgehend durch Inserate finanziert. Die Abwanderung ins Digitale verteuert das Zeitungsabo. Sind wir bereit, diese zu bezahlen? Woher beziehen wir Informationen für die Gestaltung unseres Lebens in Beruf und Freizeit? Wann erscheint die letzte Ausgabe der «Glarner Nachrichten»? Um diese und weitere Fragen kreist das Referat des Medienprofis.