Wie eine Working-Poor-Familie im Tessin überlebt
Armut nimmt mit steigenden Lebenshaltungskosten in der Schweiz zu. Die Nachrichtenagentur Keystone-SDA hat im Tessin eine Working-Poor-Familie besucht, deren Einkommen kaum zum Leben reicht.
«Ich wünsche mir etwas mehr Heiterkeit für unser Leben», sagt der 34-jährige Antonio Greco, der anonym bleiben will und dessen Namen wir geändert haben. Er und seine gleichaltrige Frau Daniela haben drei Kinder und gehen beide mehreren beruflichen Tätigkeiten nach. Trotzdem reicht das Geld kaum bis zum Monatsende.
Für ihre Vier-Zimmer-Wohnung bezahlen die Grecos 1500 Franken. Er verdient brutto 4200 Franken, mit Kinderzulagen sind es 4800 Franken. Nach Bezahlen aller Rechnungen bleiben der fünfköpfigen Familie weniger als 1000 Franken, um einen Monat lang Essen, Kleidung und ein paar wenige Freizeitaktivitäten für die Kinder zu bezahlen.
Zusätzliche Kosten wie eine Zahnarztrechnung können das knappe Budget sprengen, wie Greco beim Gespräch in der Wohnung erzählt. Für den Einsatz seiner Kronen ist deshalb vor kurzem die Tessiner Sektion der Winterhilfe eingesprungen. Diese übernimmt in der Regel einmal jährlich eine Rechnung für Menschen, die an der Armutsgrenze leben. Manchmal hilft sie einer Familie aber auch mehrmals zu überbrücken, wie man hört.
Im Geschäftsjahr 2024/2025 hat die Organisation im Tessin mit 784 Hilfsgesuchen fast 500 mehr bearbeitet als vor der Pandemie, welche die Zahlen in die Höhe schnellen liess. 1198 Personen wurden unterstützt, 765 Erwachsene und 433 Kinder, wie die Verantwortliche für die Winterhilfe Tessin, Paola Eicher, gegenüber Keystone-SDA sagt. Total hat die Organisation über 715'000 Franken bereitgestellt.
Im Jahr 2024 war die Armutsquote im Tessin fast doppelt so hoch wie im Landesschnitt. Diesen Januar warnte Caritas, die Belastung für ärmere Haushalte nehme in der Schweiz weiter zu, und forderte unter anderem den Ausbau bestehender Massnahmen wie der Prämienverbilligung. Solche bezogen im Tessin 2025 circa 113'000 Personen, etwa ein Drittel der Wohnbevölkerung, wie der Direktor der Tessiner Sozialversicherungsanstalt auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagt.