Wie die Schweiz zur Blasmusiknation wurde
25'000 Blasmusikerinnen und Blasmusiker werden ab heute am Eidgenössischen Musikfest in Biel erwartet. Laut Veranstaltern ist es das grösste Blasmusikfest der Welt. Wie die Blasmusik in der Schweiz solche Dimensionen erreichte, ist bisher erstaunlich wenig erforscht.
«Blasmusik wird oft als etwas altmodisch wahrgenommen», sagte Yannick Wey, Musikwissenschaftler an der Hochschule der Künste Bern (HKB), im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dieses Klischee habe ihr auch in der Forschung einen schweren Stand beschert: Für Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftler galt sie lange als zu wenig «hohe Kunst».
Dabei spiele Blasmusik eine grosse Rolle im öffentlichen Leben der Schweiz. So seien viele Rituale – vom Dorffest bis zum hochrangigen diplomatischen Empfang – ohne Blasmusik kaum denkbar. «Sie begleitet solche Anlässe nicht nur musikalisch, sondern macht sie erst vollständig», so Wey.
Umso erstaunlicher sei, wie wenig man über die Anfänge dieser prägenden Klangkultur weiss. Diese Forschungslücke wird in einem vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Projekt nun erstmals systematisch angegangen. Zusammen mit Adrian von Steiger und Miryam Giger hat sich Wey auf Spurensuche begeben. In einem Forschungsprojekt an der HKB gehen sie den Anfängen der Schweizer Blasmusik nach: den ersten Musikgesellschaften vor etwa 200 Jahren, ihren Instrumenten, ihren Regeln – und der Frage, wie die Schweiz klang, bevor es Tonaufnahmen gab.
Ein Musikant von damals würde staunen
Klar ist: Ein Blasmusiker aus einer der frühen Schweizer Musikgesellschaften wäre wohl überrascht, wenn er nächste Woche am Eidgenössischen Musikfest in Biel zuhören könnte. Schon die Grösse der Formationen hätte ihn erstaunt. Eine kleine Musik zählte damals vielleicht zwölf Spieler, eine grosse dreissig. Heute stehen bei grossen Formationen nicht selten sechzig Musikerinnen und Musiker auf der Bühne. Auch optisch hätte sich ein Musikant von damals wohl gewundert: über die einheitlichen, farbigen Uniformen etwa oder über den Dirigenten mit Taktstock.