Wie die Schweiz die Spitze der Ariane-6-Rakete baut
Europas Raumfahrt legt einen Gang zu. In diesem Jahr soll die europäische Trägerrakete doppelt so oft abheben wie im Vorjahr. Mittendrin in dieser Entwicklung: die Schweiz.
Das Unternehmen Beyond Gravity baut in Emmen LU ein zentrales Bauteil der Ariane-6-Raketen: Die Spitze der Rakete.
Damit leiste die Schweiz einen entscheidenden Beitrag dazu, Europas unabhängigen Zugang zum Weltraum zu sichern, sagte Stefan Hofmann, der den Geschäftsbereich Trägerraketen Schweiz bei Beyond Gravity leitet, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Der Zugang zum Weltraum wird immer wichtiger.» Ohne Satellitentechnologie sei heute vieles undenkbar: Navigation, Verteidigung, Kommunikation oder Klimaüberwachung hingen direkt davon ab. Und ohne eigene europäische Trägerraketen wäre Europa gezwungen, auf Starts aus dem Ausland auszuweichen – früher etwa auf Russland, heute vor allem auf private Anbieter wie Elon Musks SpaceX.
Starts ziehen an
Ihren Jungfernflug absolvierte die Ariane 6 im Juli 2024. Es folgten fünf weitere Starts. Erklärtes Ziel des Konzerns Arianegroup für dieses Jahr ist eine Verdopplung der Starts im Vergleich zu 2025. Acht Starts sind für 2026 geplant. Die Vorgängerrakete Ariane 5 startete in ihren Spitzenjahren sieben Mal. 2027 sollen es noch mehr werden.
Dies fordert auch die Produktionsstätte in Emmen. In Emmen lassen sich derzeit – so Hofmann – «höchstens neun» Nutzlastungsverkleidungen, wie die Raketenspitzen in der Fachsprache genannt werden, pro Jahr herstellen. Mehr sei möglich, aber nicht ohne Anpassungen. Denn in einer Raketenspitze steckt viel Arbeit. Rund 9 Monate dauert der Bau einer Ariane-6-Spitze.
Halle musste erhöht werden
In einer Halle von Beyond Gravity in Emmen stehen gut ein Dutzend Spitzen bereits parat. Jede Nutzlastverkleidung besteht aus zwei Hälften. Darin verpackt werden die Satelliten, die Nutzlastverkleidung schützt sie auf dem Weg ins All vor äusseren Einflüssen. Dabei muss sie extremen Bedingungen standhalten: «So eine Raketenspitze wird aussen während des Flugs über 700 Grad heiss. Und der Druck ganz vorne entspricht ungefähr dem Gewicht von 60 Elefanten», erklärt Hofmann.