«Wertefrei auf die Leute zugehen»
Selina Solèr ist in Disentis aufgewachsen, Romanisch ist ihre Muttersprache. Gelernt hat sie in der Kita Klosters Fachfrau Betreuung. Der Weg dazu war nicht ganz so einfach, wie erzählt: «Es gab damals nur acht Kitas in Graubünden und sehr wenig Lehrstellen. Ich erhielt zuerst eine Praktikumsstelle. Die Lehrstelle konnte ich erst nach einem Zwischenjahr antreten. Ich nutzte diese Zeit, um als Au-pair in Zürich Schweizerdeutsch zu lernen und bereiste Australien, um Englisch zu lernen. Ich war vier Monate mit dem Bus unterwegs. Während der Lehre von 2012 bis 2015 lernte ich meinen Freund in Klosters kennen. Ich wohnte zuerst in einer WG und konnte mich dadurch gut in Klosters integrieren und die Einwohner kennenlernen. Ich will wertefrei auf die Leute zugehen.»
Kita deckt nicht nur Grundbedürfnisse ab
Nach dem Lehrabschluss suchte sie einen Job und arbeitete zuerst in Chur, bevor sie zurück in die Kita nach Klosters kam. Seit fünf Jahren ist sie dort tätig, seit zwei Jahren als stellvertretende Leiterin. Dazu absolviert sie seit einem halben Jahr in Zürich ein Studium als Kindheitspädagogin. «Es gibt nur zwei solche Stellen in Graubünden, eine davon in Klosters.» Die Kita bietet vier Lehrstellen an; betreut werden bis zu 24 Kinder pro Tag, keine einfache Aufgabe, aber sehr verantwortungsvoll. Wie wichtig die Kita für die Kinder ist, weiss sie aus eigener Erfahrung: «Diese deckt weit mehr als nur die Grundbedürfnisse ab und das Spielen.» Deshalb steht Selina für bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Wertschätzung gegenüber dem Personal ein.
«Die nationale Politik hat mich schon früh interessiert; seit ich 18 bin, stimme ich ab.» Immer mehr interessierte sich Selina auch für die Lokalpolitik, umso mehr, als ihr Arbeitsort teilweise abhängig von der Gemeinde ist. Nachdem sie zuerst mit der «Mitte» und der SP geliebäugelt hatte, entschied sie sich für die Grünliberale Partei: «Ich dachte, jetzt wäre der richtige Moment.»