Weichen Bündner Gletscher bald Stauseen?
Bis Ende des Jahrhunderts werden viele Gletscher Geschichte sein, auch in Graubünden. An den Orten der Gletscher entstehen neue Landschaften. Forscher diskutieren nun darüber, wie man diese Landschaften für Stauseen nutzen könnte. Damit würde unter anderem die Energiegewinnung gesteigert werden.
Eine Forschungsgruppe der ETH Zürich und der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) liefern nun Zahlen zu dieser Diskussion. Die Studie untersuchte 185'000 Standorte. Das Team um Daniel Farinotti berechnete das weltweite Speicher- und Wasserkraftpotenzial, das in Stauseen bei weggeschmolzenen Gletschern steckt. Die Berechnungen der Forscher zeigen, dass sich schweizweit die heutige Energiegewinnung aus Wasserkraft um 13 Prozent steigern liesse. Ausserdem würden Stauseen die schwindende Funktion der Gletscher als Wasserspeicher teilweise übernehmen.
«Uns als Glaziologen wäre es lieber, dass die Gletscher noch lange existieren. Aber wir wollen mit dieser Studie einen anderen Blickwinkel auf die Gletscherschmelze werfen als Wasserknappheit und steigende Meeresspiegel», sagt Farinotti gegenüber der Nachrichtenagentur «sda».
Profit und Eingriff gleichzeitig
Felix Keller, Glaziologe und Leiter des Europäischen Tourismusinstitus an der Academia Engiadina, erklärt die Situation. «Die Erklärung ist einfach: Der Gletscher hinterlässt uns ein gutes Becken, das mit einem Stausee gefüllt werden kann. Allerdings ist das ein massiver Eingriff in die Natur.»
Im Vergleich zu einem erhaltenen Gletscher, sei die Erbauung von Stauseen wesentlich weniger attraktiv, sagt Keller auf Anfrage von Radio Südostschweiz.