Warum die Ukraine im Asowschen Meer Schiffe attackiert
In der Nacht haben ukrainische Drohnen erneut Ziele im russischen Hinterland attackiert. Schlagzeilen machte der Angriff auf eine Raffinerie im russischen Wolgagebiet Samara 800 Kilometer von der Front entfernt. Die Anlage selbst geriet Augenzeugen zufolge in Brand – und vergrössert damit die Sorgen der Russen bei der Treibstoffversorgung. Der Generalstab in Kiew meldete später aber auch Angriffe auf Schiffe im Asowschen Meer. Zehn Öltanker und vier Fähren seien getroffen worden, heisst es in der Mitteilung.
Der Chef der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdy, veröffentlichte auf seinem Telegramkanal Videos von den Wärmebildkameras der angreifenden Drohnen, die eine Vorstellung von den Schäden vermitteln. Zu sehen ist, wie die Drohnen sich im Anflug den Tankern nähern und die Bediener sie Richtung Brücke steuern. Beim Aufschlag bricht die Übertragung ab. Andere Drohnen nehmen die Explosionen auf, meist gibt es mehrere auf einem Schiff.
Fast 100 Schiffe innerhalb einer Woche
Seit einer Woche stehen die russischen Schiffe im Asowschen Meer unter Dauerbeschuss. Die Angriffe haben in der Nacht zum 6. Juli begonnen. Damals attackierten die ukrainischen Drohnen zwei seegängige Binnentanker, die Benzin auf die Krim bringen sollten. Solche Schiffe sind mit einer Ladekapazität von etwa 7.000 Tonnen nicht besonders gross. Nach Einschätzung des unabhängigen Militäranalysten Jan Matwejew hätten die beiden Tanker aber 20 Prozent des monatlichen Benzinverbrauchs auf der Krim abdecken können.
Inzwischen haben die ukrainischen Drohnentruppen nach Zählung Browdys 90 Schiffe im Asowschen Meer angegriffen, einige davon mehrfach. Oft sind es kleine Binnentanker, die laut Browdy zur russischen Schattenflotte gehören. Ihre Aufgabe besteht darin, den Treibstoff zu den Häfen im Asowschen Meer oder der Meerenge von Kertsch zu bringen oder ihn auf grössere Tanker umzuladen. Für den rauen Seegang im Schwarzen Meer sind sie nicht gerüstet, das flache Asowsche Meer hingegen war kein Problem – bislang.
Führungsloser Metallschrott auf hoher See