Lawinentipps direkt vom «Schneepapst»
von Köbi Hefti
Weit über fünfzig Ski- und Schneeschuhtouren-Begeisterte folgten der Einladung von Tödisport zum Thema «Beurteilung des Lawinenrisikos». Der Geschäftsführer Ueli Oester freute sich sehr, dass er mit Hansueli Rhyner einen ausgewiesenen Experten als Referenten gewinnen konnte. «Er ist für mich der absolute Schneepapst», so Oester. Rhyner ist Spezialist im Bereich Wintersport beim Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF.
Wie gross ist das Risiko einer Lawine, wie kann man es beurteilen und wie dafür sorgen, dass es möglichst klein bleibt – diese Fragen thematisierte Rhyner am Donnerstagabend. Für Skitouren müssen keine speziellen Zusatzversicherungen abgeschlossen werden. Wenn aber ein Unfall wegen fahrlässigen Verhaltens passiert, kann dies zu Leistungskürzungen führen.
Die Beurteilung des Lawinenrisikos geschieht in zwei Phasen. Die erste ist eine grobe Beurteilung. Hansueli Rhyner sagt, dass diese relativ einfach sei und schnell daheim gemacht werden könne. Dabei werden zwei Aspekte beurteilt, die mit den Daumen nach oben, zur Seite oder nach unten visualisiert werden.
Felsen oder Mulden können gefährlich werden
Einerseits werden die Konsequenzen für die Tourengängerinnen und -gänger eingeschätzt, sollte eine Lawine oder ein Schneebrett niedergehen. Ist der Hang oberhalb der Route beispielsweise nur zwanzig Meter hoch, wird die Konsequenz als klein eingestuft, weil nicht mit einer vollständigen Verschüttung gerechnet wird. In diesem Fall geht der Daumen der linken Hand nach oben.
Ist der Hang jedoch höher, senkt sich der Daumen. Geländefallen wie Felsen oder Mulden und die Anzahl betroffener Personen sind weitere Kriterien, die zu einer negativen Beurteilung führen und den Daumen nach unten zeigen lässt.
Die andere Seite der Beurteilung betrifft die allgemeine Lawinensituation mit den Gefahrenstufen und wird mit dem rechten Daumen dargestellt. Nur wenn die Lawinensituation günstig ist, zeigt der Daumen nach oben. Ist die Schneedecke schwach oder liegen Alarmzeichen vor, wird der Daumen zusätzlich um einen Viertel gesenkt. Es gibt aber auch Kriterien, die das Risiko minimieren. So sind bereits stark befahrene Hänge rein physikalisch weniger gefährdet.