Vor 100 Jahren fuhr die RhB elektrisch nach Davos
Heute bewegen der Klimawandel und die CO2-Problematik die Masse. Kaum jemand mag sich erinnern, mit welcher grosser Freude die mit Kohle befeuerten Eisenbahnen dazumal aufgenommen wurden.
Für die RhB, deren erste Lokomotiven zwischen Landquart und Klosters bereits am 9. Oktober 1889 dampften, brauchte es energiereiche Steinkohle. Die eigenen, spärlichen Kohlevorkommnisse in der Schweiz waren schnell ausgebeutet. Nur durch den Import aus Deutschland und Frankreich konnte Kohle in genügender Menge beschafft werden.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde aber die eingeführte Kohle knapp, zeitweilig wurde die Einfuhr sogar ganz eingestellt. Die Preise für die Importkohle stiegen bald einmal auf das Dreifache und machten den Bahngesellschaften schwer zu schaffen. Gezwungenermassen wurde auf Holzfeuerung umgestellt. So verfeuerte die RhB rund 27 000 Kubikmeter Holz. Das hatte aber wenig Brennwert und war auch umständlich zu handhaben. Das Holz fehlte dann als wertvolles Baumaterial. War das nun das Ende der neuen Verkehrsmittel, oder gab es Alternativen?
Lötschberg als Vorbild
Mit dem Aufkommen der Elektrizität als neue Energie und der Gründung vieler Elektrizitätswerke rund um die Jahrhundertwende konnten auch die Modernisierung und der Kohleersatz auf Bahnstrecken angedacht werden. Wasserkraft für die Erzeugung von Elektrizität gab es in Graubünden genug. Zwischen 1910 und 1913 wurde die Strecke Spiez–Frutigen–Brig der Lötschbergbahn BLS elektrifiziert, also war es auch nicht mehr technisches Neuland. Initiant und treibende Kraft der Elektrifizierung der RhB war Dr. Planta, der erste Präsident der 1904 gegründeten Kraftwerke Brusio AG. Ihr Werk Campocologno exportierte den Hauptteil der erzeugten Energie nach Italien. Eine Transportleitung über die Alpen fehlte. Erst 1908 entstand die Berninaleitung, und somit war die Energie auch für das Netz der RhB verfügbar. Bever–Scuol-Tarasp war 1913 die erste elektrische Strecke. Mit ihr konnten Erfahrungen gesammelt werden. Die Siemens-Schuckertwerke lieferten die Ausrüstungen. Nachdem der Bund 1919 ein grosszügiges Darlehen von 17 Millionen Franken für die Förderung der Privatbahnen zur Verfügung stellte, war der Weg frei für die Elektrifizierung der Strecken in Davos und im Prättigau. 1919 wurde zwischen Davos Platz und Filisur elektrifiziert. Den Auftrag zum Bau der elektrischen Fahr- und Speiseleitungen für diese Strecken erhielt die Zürcher Firma Baumann, Kölliker & Co. Neben dem Aargauer Leitungsbauer Kummler und Matter hatten sie genügend Erfahrung in solchen Arbeiten. Sie bauten schon 1912 und 1913 alle elektrischen Bahnleitungen der Lötschberg-Südrampe.