Vom Altbau zum Recyclingbaustoff
von Giancarlo Weingart, diplomierter Bauingenieur FH, Emba HSG und Geschäftsführer der Calanda-Gruppe sowie der Gribag Beton AG
Käufer von Getränkeflaschen mögen sich eventuell fragen, ob sie eine rezyklierte Flasche oder eine aus erstmalig genutztem PET nehmen sollen? Die Frage ist unerheblich, denn beide Flaschen sind in ihren Eigenschaften gleichwertig. Und es wäre schade, die jährlich rund 40 000 Tonnen in der Schweiz anfallenden PET-Abfälle nicht wiederzuverwerten und so wertvolle
Ressourcen zu verschwenden.
Rückbaustoffe besser verwerten
Was hat das aber mit der Baubranche zu tun? Ein Vergleich: Der Rückbau von 100 Einfamilienhäusern mit einer Grundfläche von 130 Quadratmetern oder – wie vor wenigen Jahren geschehen – des «Steinbock»-Gebäudes in Chur verursacht die gleiche Menge Abfall wie alle in der Schweiz entsorgten PET-Flaschen innerhalb eines Jahres. Der Bauabfall verursacht mit rund 15,5 Mio. Tonnen 385-mal mehr Abfall als alle PET-Flaschen zusammen. Die massenbezogenen Wiederverwertungsquoten für beide Abfallarten liegen bei rund 80 Prozent. In der Bauindustrie ist es jedoch heute noch immer so, als würden im Laden explizit nur nach der nicht rezyklierten PET-Flasche gefragt.
Seit dem 1. Januar 2016 ist die überarbeitete Verordnung über die Vermeidung und Entsorgung von Abfällen (VVEA) in Kraft. Bauherren müssen seitdem Auskunft über die anfallenden Bauabfälle, deren Schadstoffbelastung und Entsorgung geben. Ziel ist die Vermeidung von Schadstoffen und die bessere Verwertung von Rückbaustoffen.
Die Bauindustrie hat diesbezüglich ihre Hausaufgaben nur teilweise gemacht. Erfreulich ist: Die rezyklierten Baustoffe sind vorhanden, geprüft und zertifiziert. Die Schweiz ist Weltmeister im Baustoffrecycling, dies insbesondere wegen beschränkter Platzverhältnisse und dem daraus resultierenden Mangel an natürlichen Ressourcen, wie beispielsweise Kies.