Vingegaard vor dem Giro: Neue Ziele, neue Zweifel
Jonas Vingegaard startet erstmals beim Giro d'Italia. Es ist für ihn auch ein Ausbruch aus Routinen. Dazu passen Gedankenspiele über einen Teamwechsel oder ein mögliches Karriereende.
Jonas Vingegaard konsultierte erst einmal Frida. «Sie empfand den Gedanken als grossartig, mich in einem rosa Trikot zu sehen», berichtete Dänemarks Radsport-Star nach dem Gespräch. Frida ist wohlgemerkt gerade einmal fünf Jahre alt. Die farbliche Vorliebe seiner Tochter – wenn man denn Klischees folgen mag – dürfte Vingegaard deshalb nicht überrascht haben.
Vor seinem ersten Start bei der Italien-Rundfahrt erzählt Vingegaard die Anekdote mit seiner Tochter gern. Natürlich ringt sie einem ein Schmunzeln ab, doch darin steckt viel mehr. Womöglich sogar ein baldiges Karriereende.
Neue Energie durch neue Ziele
Doch der Reihe nach. Zunächst einmal steigt der 29-Jährige in Bulgarien am Freitag als grosser Favorit in den 109. Giro. Drei Wochen später möchte Vingegaard im Rosa Trikot des Gesamtsiegers im Schatten des Kolosseums über den Zielstrich in Rom rollen. Damit hätte er neben der Tour de France und der Vuelta a España alle drei grossen Landesrundfahrten gewonnen. Das gelang bisher nicht einmal seinem grossen Rivalen Tadej Pogacar.
Dass Vingegaard diesen Giro fährt, war sein ausdrücklicher Wunsch. «Ich brauchte einfach eine Veränderung. Ich freue mich total darauf. Es gibt mir viel neue Energie», sagte der Däne und spannte den Bogen zum eigentlichen Ziel: «Ich könnte dadurch sogar besser bei der Tour sein.»
Zweimal hat er in Frankreich bereits gewonnen, in den vergangenen beiden Jahren aber Niederlagen gegen Pogacar kassiert. Der Slowene hatte 2024 vor der Tour noch den Giro mit einer Leichtigkeit gewonnen, die nun mangels grosser Konkurrenz auch von Vingegaard erwartet wird.
Riis und der Wechsel-Gedanke
Für Vingegaard war jedoch in erster Linie ein Ausbruch wichtig. Raus aus den gewohnten Strukturen einer Saison. Neue Rennen, neue Ziele. Und bald womöglich auch ein neues Leben? Es gibt zumindest gewisse Anzeichen, die entweder auf einen Teamwechsel oder ein Ende der Karriere hindeuten. Als Profi kennt Vingegaard keinen anderen Rennstall als Visma, für den er seit 2019 fährt und bei dem er noch einen Vertrag bis 2028 besitzt.