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Schweiz und Welt

Verkehrsfreie Begegnungszone «Postplatz und Bubenbrunnenpark»

Davoser Zeitung
19.04.2022, 07:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Die Davoser Verkehrspolitik wird damit glaubwürdiger. Strategische Zielvorgaben werden künftig bei jedem Projekt ­berücksichtigt werden müssen. «Insel­lösungen» haben ausgedient, können so verhindert werden. Dem verkehrspolitischen Denken täten die Grundgedanken der Schaffung von Park- und ÖV-Hubs, der Verkehrsberuhigung, der Förderung des Langsamverkehrs und der Verlagerung des Privatverkehrs auf den ÖV und auf Sammeltaxis gut. Jedes Vorhaben wird diesen Oberzielen untergeordnet. In einem Verkehrsentwicklungsplan 2040 könnten zudem alle wichtigen künftigen Verkehrsprojekte auf einer Zeitachse untereinander abgestimmt werden, so etwa der vom kantonalen Tiefbauamt geplante Flüela-Bypass am See, die neue Verkehrsdrehscheibe «Parsenn» als Verkehrsstopper, P+R mit neuem Bahnhof, das Parkhaus am See sowie weitere notwendige Beruhigungsmassnahmen in der Innenstadt. Ferner sollen kreative Mobilitätsmodelle für Stadt und Land ­gefördert werden.

Im Ortszentrum wird flaniert

Die Wildmannli fordern mehr verkehrsberuhigte Begegnungszonen und mehr Grünflächen entlang der Promenade. Nur so kann dieser Flaniermeile wieder mehr Leben eingehaucht werden. Es gilt, den einfahrenden Privatverkehr an den ÖV-Hubs am Stadtrand (am See und Parsenn im Norden und Bahnhof/Jakobshorn/Grischuna im Süden) zu stoppen und entlang der Promenade und der Talstrasse den Privatverkehr zu reduzieren, um dem ÖV den Vortritt zu lassen. Wichtig sind auch Ansätze, um (zumindest temporäre) verkehrsfreie Strassenabschnitte zu kreieren, so im Dorf zwischen Seehofseeli und Derby, in der Horlauben zwischen Kongress und Regina oder im Platz zwischen Belvédère und Postplatz, analog der sommerlichen verkehrsfreien Promenade. Die Promenade wird noch verkehrsberuhigter, wenn die zu breiten, überlangen VBD-Busse endlich auf einer Mittelspur im Einbahnverkehr fahren. Damit wird die Fahrbahn Promenade und Talstrasse für die Fahrradfahrer im Beidseits-Richtungsverkehr ungefährlicher und für Passanten endlich offener.

Eine grüne Oase im Platz

Mit dem Arkadenplatz wurde eine wichtige Begegnungszone für den Platz geschaffen. Jetzt gilt es, diesen «roten» Platz mittels Aktivitäten zu beleben. Arkaden muss aber noch weiter gedacht werden. Zu denken ist an die vollständige Aufhebung von Parkplätzen entlang der Promenade und der Umgestaltung des Postplatzes in einen Park in Verbindung mit dem Bubenbrunnenpark. Damit würde mitten im historischen Zentrum von Davos eine Grünzone entstehen.

Plätze und Parks sind Orte, wohin man sich begibt, wo man sich trifft und wo man sich wohlfühlt. Plätze werden in seltensten Fällen angelegt, um diesen Platz bloss zu überqueren. Ästhetische Kriterien sind wichtig, jedoch nicht allein ausschlaggebend. Die Bedürfnisse der Einwohner und Gäste sind wesentlich.

Kontrast zu den Arkaden

Welche Qualitäten muss der neue Post- und Rathausplatz als neuer Freiraum im Ortszentrum aufweisen, damit er für die Menschen als Aufenthaltsort sowie Treffpunkt wahrgenommen und besucht wird? Im Gegensatz zu Arkaden – dem multifunktionalen, offenen und terracotta-farbenen «Beton»-Platz mit Laden- und Gastrobetrieben – soll der «Postplatz/Bubenbrunnenpark» mit seinen knapp 15 000 Quadratmetern Oberfläche einen grünen Kontra-Punkt setzen. Er übernimmt eine andere Funktion, die es in der Innenstadt von Davos so noch nicht gibt.

Der «Postplatz/Bubenbrunnenpark» wird zum Wohnzimmer im Stadtzentrum – dies inmitten des verkehrsfreien, historischen Stadtkerns von Davos beim Rathaus und der Kirche St. Johann. Er bietet eine hohe Aufenthaltsqualität für individuelle Besucher, die Ruhe und Erholung an zentraler Lage suchen. Er lädt jedermann zum Verweilen, zum Beisammensein, zum Schauen, zum Baumelnlassen der Seele und zum Spielen mit Kindern oder zum Ausruhen ein. Schlichtweg zum Hinsetzen auf einer der Sitzbänke unter den Bäumen.

Ein Ruhepol mit Wasser

Zudem sollen Menschen mit ihren täglichen Verrichtungen den Platz verkehrsfrei überqueren können. Auf der neuen Grünanlage treffen und kreuzen sich Leute zum Behördengang im Rathaus und Bergli, vor der Kirche St. Johann zur Predigt, Hochzeit oder Abdankung, auf dem Weg zum Bahnhof, zum Bus, zum Arzt- und Postbesuch, in Verbindung zum Einkauf und zum Kaffeetrinken in der näheren Umgebung. Zu Fuss lassen sich viele Aktivitäten im Umkreis von 500 Metern zeitverzugslos und ohne Stress bestens verrichten.

Gleichzeitig wird die Promenade vor der ehemaligen Post für den Verkehr und Fussgänger breiter. Die talseitige Bushaltestelle am Postplatz wird vom vergrösserten Strassenkörper weggenommen. Busse erhalten mehr Platz auf der Bushaltestelle. Die Gehsteige werden auch für Passanten grosszügiger gestaltet.

Der Postplatz erfüllt folgende Funktionen

- Der Platz liegt zentral; er ist frei zugänglich für jedermann und kleineren Treffen von Kindern, Müttern, Schülern bis zu Senioren und Seniorinnen.

- Der Platz ist gut mit dem ÖV erreichbar, von der Promenade her mit Bus, von der Talstrasse mit RhB und Bus

- Der Platz ist zu Fuss begehbar, barrierefrei und verkehrsfrei.

- Der Platz ist für kleinere Aktivitäten geeignet; er kommt ohne Veranstaltungen und grosse Events aus.

- Der Platz verfügt über offenes WLAN und öffentlich zugängliche, barrierefreie Toiletten.

- Der Platz ist eine konsumfreie Zone ohne Gastronomie, Kioske oder ­Stände.

- Der Platz ist geöffnet von 7 bis 23 Uhr.

- Der Platz ist mit zahlreichen Fahrrad-, Bikeabstellplätzen inklusive Lade­stationen versehen.

- Der Platz ist vor allem mit anderen Verkehrsmitteln vernetzt. Mit einem öffentlichen Fahrradverleih-System und Anlaufstelle für neue Mobility Modelle (Bike- und Car-Sharing).

Unter der neu gestalteten Bushaltestelle entsteht ein Raum mit über 200 Quadratmetern Fläche. Dieser ist geeignet für ein öffentliches WC und als Veloparkhaus inklusive E-Bike-Ladestellen im Sommer und im Winter für das Einstellen von ­Skiern oder gar als zentrales «Welcome-» und Info-Desk für Touristen und Orts­ansässige.

Mit Gesamtverkehrslösung vereinbar

Hinter dem Rathaus werden die Aussen-Parkplätze aufgehoben. Grünflächen ­sollen vorherrschen. Die alten Park­flächen dienen neu als E-Bike-Unter­stände, Car-Share-Abstellplätze und sind mit E-Ladestellen zu versehen, wenn möglich alles gedeckt. Von dort kann auf den ÖV (Bus und Bahn) umgestiegen werden.

Der verkehrsfreie Postplatz ist in den ­Legislaturzielen 2021 bis 2024 enthalten. Er verdient als Verkehrsmassnahme und unter den Gesichtspunkten «Aufwertung des Stadtbildes» und «Stärkung der Aufenthaltsqualität» Beachtung, ja sogar prioritäre Behandlung. Zudem steht er mit dem noch nicht vorhandenen Gesamt-Verkehrskonzept in Einklang, zielt er doch auf die Verkehrsberuhigung im Stadtzentrum ab. Er fördert den Langsamverkehr im Platz. Er ist Ausgangspunkt des vermehrten Zu-Fuss-Gehens.

Verfasst im April vom Wildmannli-Wiitblick

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