Im Glarnerland kostet das Gas fast am meisten
Als vor etwa einem Jahr die Lage um die Coronapandemie entspannter wurde, begannen Maschinen in Produktionsfirmen wieder schneller zu laufen und brauchten folglich wieder mehr Energie, zum Beispiel in Form von Erdgas. Monate später begann in der Ukraine der Krieg, was den Mangel an Energie noch vergrösserte: Aus Russland wurde und wird weniger Gas importiert. Ein weiterer Grund, weshalb in Deutschland eine lange Zeit von tiefen Beständen in Gasspeichern die Rede war – und der Preis für das verknappte Gas in die Höhe schoss.
Nun soll sich das aber ändern: Die Gasspeicher in Deutschland würden sich allmählich wieder füllen, vor allem aufgrund der milden Wintertemperaturen. «Wir haben schon grosse Mengen an Gas eingekauft», sagt Martin Zopfi, Geschäftsführer der Technischen Betriebe Glarus (TBG). Wegen des höheren Füllstandes konnte das Gas billiger eingekauft werden als vor Monaten. Mitte Dezember gaben die TBG deshalb bekannt, dass sie die Gaspreise im Januar um 10 Prozent senken. Nichtsdestotrotz befinden sich die Preise auf einem hohen Niveau, und die letzte Gasrechnung des Jahres 2022 bereitet wohl vielen Gasbeziehenden miese Laune.
Höchstpreise im Glarnerland
Die Gaspreise in der Schweiz sind je nach Kanton, Gemeinde und Gasversorger unterschiedlich hoch. Auf der Internetseite gaspreise.preisueberwacher.ch des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung lassen sich die Preise für Erdgas aller Schweizer Gemeinden suchen und vergleichen. Hat man die gewünschte Gemeinde, den entsprechenden Gasversorger und den Gebäudetyp ausgewählt, wird der Erdgaspreis angezeigt. Dazu erscheint eine Grafik, die den durchschnittlichen Gaspreis in Kanton und Gemeinde zeigt und diesen neben die Gaspreise anderer Kantone stellt. Über drei Stichmonate verteilt war der durchschnittliche Erdgaspreis für ein Einfamilienhaus im Glarnerland 23,65 Rappen pro Kilowattstunde. Nur im Kanton Schwyz ist der Durchschnitt noch höher. Die höchsten Gaspreise im Glarnerland müssen Gasbeziehende in Mollis und Näfels zahlen, die von den Technischen Betrieben Glarus Nord (TBGN) versorgt werden. Dort liegt der Preis bei 24,7 Rappen pro Kilowattstunde – beinahe der schweizerische Höchstpreis.
Den tiefsten Durchschnittstarif hingegen hat der Kanton Schaffhausen mit etwa 11 Rappen pro Kilowattstunde. Im Schnitt ist die Gasrechnung für Einfamilienhäuser im Glarnerland mehr als doppelt so hoch wie jene im Kanton Schaffhausen.
Ungünstige Geografie
Die Glarner Gasversorgerinnen tragen aber keine Schuld daran, dass der Gaspreis im Glarnerland fast am höchsten sei, erklärt Zopfi. «Das Glarnerland ist am Ende einer langen Versorgungskette.» Der Kanton sei gewissermassen im geografischen Nachteil. Folglich fliesse das Gas über eine längere Strecke ins Glarnerland als in andere Kantone. Liegen diese zum Beispiel direkt an einer Landesgrenze, gelangt das Gas schneller zu ihnen. Bis in den Kanton Glarus fliesse das Gas ca. über fünf Netzbetreiber ins Glarnerland, die alle bezahlt werden müssen, sagt Zopfi. Andere Ortschaften bräuchten viel weniger, weshalb die Gaslieferung ins Glarnerland teurer ist.
Das Glarnerland ist am Ende einer langen Versorgungskette.»
Martin Zopfi, Geschäftsführer TBG
Am Gasmarkt, auf dem Energieversorger ihr Gas bestellen, hat das Glarnerland aber keine Nachteile. «Bei der Beschaffung von Gas gehen die TBG so vor wie andere Schweizer Gasversorger», erzählt Zopfi. Auch bestelle man zum selben Zeitpunkt wie die Versorger anderer Kantone, so Zopfi.
Kleine Unterschiede im Kanton
Nimmt man die Grafik genauer unter die Lupe, fallen schwankende Preise innerhalb einzelner Kantone auf. Im Kanton St. Gallen zum Beispiel liegen der höchste und der tiefste Preis rund 17 Rappen auseinander. Im Glarnerland sind die Preise sehr nahe beieinander. Die drei Glarner Gasversorger TB Glarus, TB Glarus Nord und Energie Zürichsee Linth teilen sich Preise zwischen 23 und 25 Rappen pro Kilowattstunde. Aber: «Die Preisüberwachung hat nicht die 12 Prozent Rabatt einberechnet, den die TBG den Gaskunden auf die Schlussrechnung geben», so Zopfi. «Dank diesem Rabatt können wir im Moment sogar günstiger Gas anbieten als Versorger in Zürich, obwohl der Lieferweg zu uns länger ist.»
Die beiden anderen Versorger bieten jedoch keinen Rabatt, obwohl diese noch höhere Gaspreise als die TBG verlangen. Für die «Glarner Nachrichten» waren deren Geschäftsführer zwischen Weihnachten und Neujahr nicht erreichbar.
Weshalb die Gaspreise innerhalb vom Glarnerland so nah beieinanderliegen, kann Martin Zopfi schnell beantworten: «Alle Versorger im Kanton Glarus müssen sich der gleichen Herausforderung, also den langen Transportwegen, stellen.» Mit Blick auf die Gasnetz-Karte (siehe Grafik) erklärt das die starken Preisschwankungen in anderen Kantonen: Einige Ortschaften im Kanton St. Gallen befinden sich weit weg von grösseren Gasnetzen, andere hingegen in der Nähe. Die Glarner Ortschaften befinden sich alle etwa gleich weit weg von grösseren Gasnetzen, weshalb die Preise recht ausgeglichen sind. Ein weiterer Grund für die ähnlichen Preise ist die Zusammenarbeit der drei Versorger, wie Zopfi erklärt. So bestellen sie jeweils gleichzeitig das Gas.
Alle Versorger im Kanton Glarus müssen sich der gleichen Herausforderung stellen.»
Martin Zopfi, Geschäftsleiter TB Glarus
Zukunft ist ungewiss
Wie es mit den Tarifen in Zukunft weitergeht, könne man nicht vorhersagen. Das werde durch verschiedene Faktoren bestimmt, erzählt Martin Zopfi. Ein Beispiel dafür sei das Wetter: Werde es kälter, so stiegen auch die Gaspreise. Ein weiterer Faktor sei der Kriegsverlauf in der Ukraine, der mit neuen Sanktionen verbunden sein könnte, die den Preis möglicherweise nach oben drückten.