Vereinzelte Protestaktionen bei Russlands Rückkehr
Russland und Belarus dürfen an den Paralympics erstmals seit 2014 wieder unter eigener Flagge antreten. Vor Ort ist die Stimmung bei den Athleten unterschiedlich.
Viermal ertönte bisher die russische Hymne an den Paralympics. Bereits am ersten Wettkampftag feierte Russland die erste Medaille und damit die Rückkehr auf die internationale Sportbühne. Alexej Bugajew gewann in der Abfahrt Bronze, Gold ging an Robin Cuche.
«Politisch muss ich mich gar nicht dazu äussern, dass Russland teilnehmen wird», hatte der Neuenburger im Vorfeld der Spiele gesagt. Sportlich gesehen seien die Russen starke Konkurrenten. Unabhängig von deren Herkunft hoffe er jedoch, dass sie ihn am Ende nicht die Medaillen kosten.
Nur vereinzelt Protestaktionen
Die Aussage von Robin Cuche steht sinnbildlich dafür, wie die Rückkehr Russlands auf eine der grössten Sportbühnen der Welt von den Athleten wahrgenommen wird. Meist werden die russischen Teilnehmer einfach als Sportler betrachtet – und nur als das.
Nur vereinzelt entschieden sich Teilnehmende bisher, ein Zeichen gegen Russland zu setzen. So zum Beispiel die deutsche Langläuferin Linn Kazmaier und ihr Guide Florian Baumann. Nach dem Gewinn der Silbermedaille im Sprint am Dienstag – Gold ging an die Russin Anastasija Bagijan – sagte Kazmaier zur ARD: «Menschlich gönnt man es den Personen total. Ich kenne die Leute nicht, ich weiss nicht: Vielleicht unterstützen sie das System in Russland genauso wenig.»
Dennoch sei es politisch nicht vertretbar, Russland unter eigener Flagge antreten zu lassen. Kazmaier und Baumann liessen so während der russischen Hymne die Mützen auf, wendeten sich nicht zur Fahne und verweigerten ein Selfie auf dem Podest.
Baumann wie Kazmaier betonten gegenüber dem ZDF, dass es nicht gegen die russischen Athleten gerichtet sei. «Aber der Entscheid des IPC, dass Russland hier unter eigener Flagge, mit eigener Hymne und mit voller Kapelle antreten kann, während die Ukrainer auch hier sind, finde ich einfach nicht richtig», sagte Baumann. Der ukrainischen Delegation war derweil verboten worden, eine Jacke mit den Grenzzügen des Landes, inklusive der Krim, zu tragen.