Verbandspräsident Urs Kessler und die Ohnmacht vor der Heim-WM
Zwei Tage nach der Entlassung von Nationaltrainer Patrick Fischer meldet sich der Verband (endlich) zu Wort. Präsident Urs Kessler liefert einige Antworten. Aber es tauchen auch neue Fragen auf.
Urs Kessler, Präsident der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) seit letztem Herbst, war weit davon entfernt, sich klipp und klar zu äussern. Er sprach in einstudierten Worthülsen – von der «unangenehmen Situation», von «Vertrauen», von der «öffentlichen Debatte», die seit Montag über Patrick Fischer und den Verband eingebrochen ist, von «Fehleinschätzung», und dass man künftig «genauer hinschauen will, um besser zu werden». Und schliesslich will der Verband den Blick jetzt «nach vorne richten» – denn in weniger als einem Monat beginnt in Zürich und Freiburg die Heim-WM.
Präsident wusste von nichts
Klar ist: Innerhalb des Verbandes ist viel schief gelaufen seit dem Vorfall Mitte März, als Fischer während eines Mittagessens im Rahmen eines Drehtags mit dem Schweizer Fernsehen SRF von sich aus ausplauderte, dass er für ein gefälschtes Covid-Zertifikat verurteilt wurde. Bei diesem Mittagessen sass der Kommunikations-Verantwortliche des Verbandes mit am Tisch. Dennoch erfuhr Präsident Kessler gemäss eigener Aussage erst am letzten Montag von der Affäre.
Wohl auch deshalb kam es an eben diesem Montag zum Schnellschuss, sich ohne Vorbehalte hinter Fischer zu stellen, um anderthalb Tage später festzustellen, dass die Freistellung «notwendig und unumgänglich ist» (Zitat Urs Kessler).
Druck von allen Seiten
«Es war am Montag ein Fehler zu denken, dass alles gesagt ist», sagte Kessler am Freitag in seiner Ohnmacht, dass sich dunkle Wolken über der Heim-WM aufbauen. Von allen Seiten wurde die SIHF seit Montag unter Druck gesetzt – von der Öffentlichkeit, vom Bundesamt für Sport (BASPO), von Swiss Olympic, dem Internationalen Eishockeyverband (IIHF), den Medien und von Sponsoren. Alles führte dazu, dass der Verwaltungsrat des Verbandes am Mittwochvormittag an einer ausserordentlichen Sitzung entschied, Fischer freizustellen.