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Schweiz und Welt

Urs Marti: «Wir haben eine Abriegelung der Stadt gut durchdacht»

Jürg Abdias Huber
29.02.2020, 12:18 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Aus der Redaktion: Kurz nach der Veröffentlichung des Artikels, ist uns ein inhaltlicher Fehler unterlaufen. Es wurde geschrieben, dass der Churer Kindergartenbetrieb nicht stattfinden würde. Das ist nicht korrekt! Dabei handelt es sich nicht um den Betrieb, sondern nur um die Kindergartenskiwoche. Der Kindergartenbetrieb wird wie gewohnt durchgeführt. Für diese Falschaussage möchten wir uns im Namen der Redaktion entschuldigen. (huj)

Das Ausmass des Coronavirus ist nun auch im Kanton Graubünden spürbar. Nachdem der Bundesrat am Freitag an einer ausserordentlichen Sitzung beschlossen hat, alle Grossanlässe mit über tausend Besuchern vorläufig bis mindestens 15. März nicht stattfinden zu lassen, führt nun die Stadt Chur als erste Stadt der Schweiz restriktivere Massnahmen ein. Ab dem gestrigen Freitag hat die Katastrophenorganisation (Kata-Organisation) entschieden, Veranstaltungen ab 50 Personen sofort zu verbieten. 

«Wir haben den Entscheid vom Kanton versucht zu interpretieren und mussten feststellen, dass sogar der Kanton selbst nicht im Klaren war, wo die Grenzen sind», erklärt Urs Marti, Stadtpräsident von Chur, auf Anfrage von Radio Südostschweiz. Um die Rückverfolgbarkeit allfällig infizierter Personen bestmöglich sicherzustellen, sei es nun mal notwendig mit tieferen Zahlen zu operieren, fügt Marti weiter hinzu. 

Schulbetrieb mit Einschränkungen

Für die Churer Schüler heisst es nach den Sportferien wieder die Schulbank zu drücken. Trotz der aktuellen Situation sind sie verpflichtet weiterhin die Schule zu besuchen, müssen aber in den nächsten Tagen auf Anlässe verzichten. Gemäss dem Stadtpräsidenten dürfen schulhausübergreifende Veranstaltungen nicht durchgeführt werden. Dasselbe gilt auch für klassenübergreifende Sachen, dort wird aber erst nach einer speziellen Beurteilung entschieden. «Wir probieren alles im Klassenrahmen zu behalten, um besser nachvollziehen zu können, falls sich jemand anstecken würde», sagt Marti. Im Gegensatz zu den Schulen, findet die Churer Kindergartenskiwoche nicht statt.

«Higa macht jetzt keinen Sinn» 

Obwohl diese Massnahme bis am 15. März befristet gilt, sind auch Events, die danach stattfinden, davon betroffen. Wie zum Beispiel die Frühlingsmesse Higa, die vom 21. bis 29. März hätte stattfinden sollen. Man sei zum Entschluss gekommen, die Messe nicht durchzuführen. Dafür sei das Risiko zu gross und einen Aufbau auf sich zu nehmen und dann doch nicht durchzuführen, hätte einfach keinen Sinn gemacht: «Die Veranstalter könnten theoretisch zwar alles aufbauen, hätten aber zwei Risiken zu bewältigen: Erstens, die Frist wird verlängert, es wird alles aufgebaut und dann findet doch keine Durchführung der Messe statt, oder, die Higa wird durchgeführt, aber aufgrund der Hysterie tauchen keine Besucher auf». 

Das beweist, dass die Lage vom Stadtpräsidenten ohne jegliche panische Entscheidungen ernst genommen wird. Auf «Luxusbedürfnisse» soll in dieser Situation verzichtet werden. Damit ist gemeint, man sollte nur das machen oder kaufen, was man auch wirklich zum Leben braucht. «Wir wollen mit nice-to-have-Dingen nicht das Risiko eingehen, dass sich irgendjemand das Virus einfängt, das wir eigentlich hätten verhindern können», sagt der Stadtpräsident und erwähnt seine starke Besorgnis besonders um die älteren Bürger, die offensichtlich stärker betroffen sind, wenn sie das Virus haben. 

Auf die Frage, ob eine Abriegelung der Stadt eine Thema sei, sagte er, dass man sich dieses Szenario gut durchdacht hat. Eine Stadt einfach so zu sperren, wäre aber nicht möglich. «Man sieht den Menschen nicht an, ob sie infiziert sind oder nicht», so Marti und bittet die Bevölkerung, die Hygienenvorschriften einzuhalten und den Besuch von möglichst grossen Veranstaltungen zu vermeiden. 

Chur greift resolut durch

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