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Schweiz & Welt

Erstmalige Sichtung: Mönchsgeier verirrt sich ins Glarnerland – weshalb ist unklar

Südostschweiz
02.06.2023, 04:30 Uhr
12.05.2026, 16:56 Uhr

von Roland Meier*

Am Sonntag gegen 9.30 Uhr spazierten meine Tochter und ich via Winterweg von Diesbach nach Hätzingen. Kurz nach der Brücke, die über den Grenzbach der Rufirunse führt, erspähten wir circa 300 Meter hangaufwärts einen vermeintlichen Baumstrunk auf einer uralten Mauer.

Meine Tochter griff sofort zum Feldstecher und meinte, dass der Baumstrunk sehr vital seinen Kopf hin und her bewege. Beim genaueren Hinsehen, ebenfalls mit dem Feldstecher, erkannte ich zu meinem grossen Erstaunen, dass es sich um einen Mönchsgeier handelte.

Nur selten nördlich der Alpen

In ganz seltenen Fällen haben sich Mönchsgeier auch schon mal über die Alpen bis nach Mitteleuropa verirrt. Im Kanton Glarus ist diese Beobachtung, laut Nachweiskarte der Vogelwarte Sempach, erstmalig.

Warum sich der Mönchsgeier im Talgrund zeigte, kann abschliessend nicht beurteilt werden. Vielleicht wurde er durch Kadaver von Wolfsrissen angelockt oder er wollte einfach zur 100-Jahr-Feier des Birdlife Glarnerland seine Aufwartung machen.

Mönchsgeier gehören zu den Altweltgeiern

Mönchsgeier gehören zu den sogenannten Altweltgeiern und haben das typische Aussehen der Geier. Seinen Namen verdankt das Tier seiner dunklen Federkrause am sonst nackten Hals, die an den Kragen einer Mönchskutte erinnern soll. Sie haben ein dichtes Untergefieder, dieses schützt sie vor Nässe und eisiger Kälte. Das Gefieder über den Daunen ist unifarbig dunkelbraun und wirkt schon fast schwarz.

Der Schwanz ist wie beim Bartgeier keilförmig und der Schnabel sehr gross und klobig. Mönchsgeier werden 100 bis 110 Zentimeter gross, haben eine Flügelspannweite zwischen 250 und 300 Zentimetern und sind zwischen acht und 14 Kilogramm schwer.

Tiere bevorzugen bewaldete Regionen

Die Mönchsgeier sind die grössten Altweltgeier. Männchen und Weibchen sehen gleich aus und es sind sehr seltene Vögel. Sie sind in den Mittelmeerländern sowie in West- und Innerasien heimisch. Mönchsgeier leben vor allem in hoch gelegenen Steppen und Halbwüsten. Weil sie ihre Nester auf Bäumen bauen, suchen sie bevorzugt bewaldete Regionen auf.

Mönchsgeier kommen aber auch hoch oben im Gebirge vor, so zum Beispiel in Tibet bis auf 4500 Metern Höhe. Wie alt Mönchsgeier werden können, ist nicht genau bekannt. Vermutlich können sie aber mehrere Jahrzehnte alt werden. Die nah verwandten Gänsegeier sollen angeblich ein Alter von bis zu 100 Jahren erreichen.

*Roland Meier aus Diesbach ist Präsident des Glarner Natur- und Vogelschutzvereins (GNV).

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