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Schweiz & Welt

Eine neue Stimme für die alte Dame

Barbara Gassler
09.11.2024, 17:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

«Eine Orgel soll eigentlich ein ganzes Orchester imitieren», erklärt Orgelbauer Lukas Goll, Co-Geschäftsführer bei Orgelbau Goll in Luzern. Dazu steht in der Kirche St. Johann eine Orgel mit vier Werken. Drei werden über gleich viele Klaviaturen gespielt. Ein weiteres wird über Pedale mit den Füssen bedient. «Auf diesen Werken verteilt sind die sogenannten Register, das sind Pfeifenreihen in verschiedenen Klangfarben, die während des Stückes dazu- und ausgeschaltet werden.» Die Umrüstung auf deren computergestützte Steuerung ist einer der Modernisierungsschritte, die nun vorgenommen werden. «Neu können die einzelnen Register vorprogrammiert und während dem Konzert fortlaufend abgerufen werden. Früher brauchte es oft eine zusätzliche Person dazu.» Die wesent­lichen Änderungen entstehen jedoch beim klanglichen Umbau des Instruments. «Die Orgel stammt aus dem Jahr 1961. Die damals eingebauten, höher klingenden Register werden heute oft als schreiend und laut empfunden.» Gleichzeitig sei es wichtig, den Grundcharakter der Orgel zu respektieren. «Sie ist eine Zeitzeugin, die wir gezielt verbessern und vielseitiger nutzbar machen wollen, ohne dabei den Charakter des Instruments grundlegend zu verändern.»

Beispielsweise wird die Pedalmixtur, das ist ein Register mit mehreren Chören, durch eine Trompete 8‘ (Fuss) ersetzt. Von den rund 1950 verschiedenen Pfeifen in Davos misst die grösste 2,40 Meter, die kleinste dagegen hat einen Klangkörper von nur 15 Millimetern. Dabei nutzt man zwei verschiede Arten der Klangerzeugung. Bei der einen streicht der Wind – so heisst der Blasebalg erzeugte, konstante Luftstrom – über eine schmale Lippe ähnlich wie bei einer Blockflöte. In anderen Pfeifen wiederum bringt die Luft ein dünnes Metallplättchen zum Vibrieren, ein Prinzip, wie es auch bei einer Klarinette zum Einsatz kommt.

Seit Anfang September wirken die Orgelbauer in St. Johann. Sie bauen die Orgel auseinander, ersetzen in die Jahre gekommene Teile – «Es ist eine qualitativ gute Orgel», urteilt Goll – und setzen sie anschliessend mit den zu ersetzenden Pfeifen wieder zusammen. Dann kommt der Intonateur zum Einsatz. Seine Aufgabe ist es, die Klangfarbe des ganzen Instruments abzustimmen. Das geschieht, indem die einzelnen Pfeifen von Hand gezielt manipuliert werden. Um den Klang an jedem Ort der Kirche zu testen, wird die Orgel ausserdem von verschiedenen Orten im Schiff aus abgehört. «Das und auch um die Wirkung in einer voll besetzen Kirche beurteilen zu können, braucht viel Können und Erfahrung.» Genau so wie die Arbeit des Stimmers, der ganz zum Schluss zum Einsatz kommt. «Diese Feinarbeit kann nur vor Ort durch die geübten und erfahrenen Ohren von Fachspezialisten erfolgen», berichtet Goll.

Bis Ende November sollen all diese Arbeiten erledigt sein und die Orgel soll anlässlich des Adventskonzertes am 1. Dezember, um 17 Uhr mit ihrer neuen Stimme zum ersten Mal erklingen.