Überangebot an Betreuungsplätzen führt zu Kita-Schliessungen
Ein Überangebot an Betreuungsplätzen in Städten, zum Teil ausgelöst durch hohe Kosten für Familien, führt zu Schliessungen von Kindertagesstätten. Gleichzeitig ist der Versorgungsgrad an familienergänzender Bildung und Betreuung in ländlichen Gebieten niedrig.
In der Stadt Bern sorgte die Schliessung mehrerer Kindertagesstätten, wie unter anderem die Berner Zeitung «Der Bund» berichtete, für Schlagzeilen. Der Verband Kinderbetreuung Schweiz (kibesuisse) bestätigt der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass vor allem in grossen Städten wie Bern und Zürich Überangebote an Betreuungsplätzen Schliessungen von Kitas zur Folge haben.
In ländlichen Gebieten kann von einem Überangebot aber keineswegs die Rede sein. Eine von kibesuisse beauftragte Umfrage aus dem Jahr 2023 besagte, dass die städtischen Gebiete mit 78 Prozent Kitas deutlich übervertreten waren. Lediglich sieben Prozent waren auf dem Land zu finden.
Gemäss dem Monitoring zur familienergänzenden Kinderbetreuung der Stadt Bern aus dem Jahr 2025 ist die durchschnittliche Auslastung der Kitas von 92,5 Prozent im Jahr 2019 bis 2025 auf 78,3 Prozent gesunken.
Überangebot trotz gestiegener Nachfrage
Dem Überangebot an Plätzen steht grundsätzlich eine steigende Nachfrage der Familien gegenüber. Diese führte zu einer Zunahme der Kitas in der Schweiz. Insgesamt stieg gemäss Angaben der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren die Anzahl der Kindertagesstätten von 3169 im Jahr 2020 auf 3845 im Jahr 2024.
Dass es jetzt zu Schliessungen kommt, dürfte laut kibesuisse auf ein Zusammenspiel des zunehmenden Kostendrucks, des Fachkräftemangels, sinkender Geburtenraten und hohen Betreuungskosten für die Familien zurückzuführen sein. Über schweizweite Zahlen zu Schliessungen verfügt der Verband aber nicht.
Insbesondere die hohen Betreuungskosten könnten Grund dafür sein, dass es trotz der eigentlich hohen Nachfrage zu sinkenden Auslastungszahlen kommt. kibesuisse verweist auf das Familienbarometer 2024 der Versicherung Pax und Pro Familia Schweiz, Demnach sind die Kosten für rund die Hälfte der Familien in der Schweiz ein Grund, um auf die familienergänzende Bildung und Betreuung oder gar ganz auf Kinder zu verzichten.
Öffentliche Hand gefordert
Sinkende Auslastungszahlen erhöhten letztlich den Spardruck auf die Kitas mit der Folge, dass Fachpersonal in Branchen mit besseren Arbeitsbedingungen abwandere. kibesuisse schliesst daraus, dass die öffentliche Hand dagegen vorgehen und mehr in die familienergänzende Bildung und Betreuung investieren müsste, um eine echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten.
Das Angebot an familienergänzender Bildung und Betreuung sollte nach Auffassung von kibesuisse deshalb überall dort ausgebaut werden, wo der Bedarf nachweislich gegeben ist und die Nachfrage das vorhandene Angebot übersteigt. Ein unkontrollierter Ausbau von Kitas indes gefährde dagegen die Betreuungsqualität und verschärfe den Fachkräftemangel.