Tumlers Tragik, Meillards Genugtuung, Odermatts Konstanz
Wie an der WM 2025 klassiert sich im Olympia-Riesenslalom ein Schweizer Trio auf den Rängen 2 bis 4. Während Marco Odermatt und Loïc Meillard zufrieden sind, ist Thomas Tumler der tragische Held.
Dass die eher flache Piste seinen Stärken entspricht, war bekannt. Dennoch überraschte der Auftritt von Thomas Tumler in Bormio. Der 36-Jährige war im Weltcup bislang nicht wie gewünscht in Schwung gekommen, hatte Rang 9 in Copper Mountain als einziges Top-10-Resultat in diesem Winter vorzuweisen. Beim wichtigsten Rennen der Saison aber war er bereit, auch wenn es am Ende nicht für die Medaille reichte.
In der Interviewzone wirkte Tumler leicht enttäuscht, aber gefasst. Vorwerfen konnte er sich nichts, denn er hatte genau das gezeigt, was er nach dem ersten Lauf angekündigt hatte: Angriff auf das Podest. «Ich hatte endlich wieder einen Lauf, bei dem ich nicht mehr wusste, wie ich gefahren bin», sagte Tumler. «Ich konnte den Kopf abschalten und einfach riskieren.»
Gefühlt habe er sich sehr gut, sei «vergleichsweise wenig nervös» gewesen, so der Bündner aus Samnaun. «Ich wusste, es gibt nur eines: volle Attacke. Lieber DNF (did not finish, die Red.) als Vierter. Am Schluss ist es halt doch der 4. Platz geworden.» Ein kleiner Fehler kurz nach der zweiten Zwischenzeit kostete ihn wohl die Medaille. Denn trotz dieses Missgeschicks war Tumler im zweiten Lauf der schnellste Schweizer – und auch schneller als der klare Sieger Lucas Pinheiro Braathen. Für das Podest fehlten 28 Hundertstel.
An der letztjährigen WM in Saalbach durften Tumler als Zweiter und Meillard als Dritter jubeln, während Odermatt als Vierter leer ausging. Ein Jahr später trifft dieses Schicksal nun Tumler. «Es tut natürlich weh, das ist logisch», sagte er. Ein Olympia-Podest wäre nach dieser Weltcup-Saison eine riesige Genugtuung gewesen. Doch auch so hielt Tumler fest: «Nach Tagen wie heute habe ich wieder Freude und Optimismus. Ich merke, dass ich es noch kann.»