Thun auf den Spuren von GC und Kaiserslautern
Thun führt die Super League zwölf Spieltage vor Schluss mit 14 Punkten Vorsprung an und ist auf bestem Weg, als Aufsteiger den Titel zu holen – so wie einst die Grasshoppers oder Kaiserslautern.
Wer vor der Saison auf Thun als Schweizer Meister gewettet hätte, der wäre für verrückt erklärt worden. In der Favoritenrolle waren andere. Titelverteidiger Basel mit dem in der letzten Saison so überragenden Xherdan Shaqiri. Die Young Boys, die mit einem neuen Teamgefüge zu alter Stärke zurückfinden wollten. Das effiziente Lugano. Vielleicht auch das kämpferische St. Gallen.
Aber Thun? Den Aufsteiger hatte niemand auf der Rechnung. Klar, die Berner Oberländer hatten in der Challenge League überzeugt, setzten sich unter anderem gegen Aarau durch. Aber eine Liga höher würde es schwer werden für den Aufsteiger, da waren sich die Experten sicher.
Der Traum rückt näher
Nun, die Thuner machten in der Super League einfach da weiter, wo sie in der Challenge League aufgehört hatten. Rund sieben Monate sind seit dem ersten Spieltag vergangen. Wer meinte, der 2:1-Sieg zum Auftakt in Lugano sei ein Ausrutscher der Tessiner und ein glücklicher Thuner Sieg im Sog der Aufstiegseuphorie gewesen, wurde in der Folge eines Besseren belehrt. Aus dem Aufsteiger ist der Titelkandidat Nummer 1 geworden.
Am Mittwoch feierten die Thuner mit dem souveränen 3:0-Sieg in Winterthur ihren neunten Sieg in Serie. Satte 14 Punkte beträgt der Vorsprung auf St. Gallen. Der erste Meistertitel in der Vereinsgeschichte, er rückt näher und näher.
«Träumen ist das letzte, was man einem Menschen nehmen kann», sagte Präsident Andres Gerber im November im Gespräch mit Keystone-SDA, als die Thuner nach 13 Runden neun Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger hatten. «Ich würde lügen, wenn ich nicht davon träume. Es ist schon ein Ziel, eine Vision», so Gerber. Sie würden jeden Tag zur Arbeit und jedes Wochenende auf den Platz gehen, «weil wir gewinnen wollen. Die Quintessenz daraus ist, wenn du immer gewinnst, dass du am Ende ganz oben stehst.» Trainer Mauro Lustrinelli schlug in die gleiche Kerbe und formulierte es damals noch etwas offensiver. «Den 2. Platz unterschreiben? Wieso sollten wir?»