«The Narrative»: Neue Perspektive auf Ex-UBS-Trader Kweku Adoboli
Der ehemalige UBS-Investmentbanker Kweku Adoboli wurde 2012 wegen Betrugs verurteilt. Die Schweizer Filmemacher Bernard Weber und Martin Schilt werfen mit ihrem Dokumentarfilm «The Narrative» einen neuen Blick auf den Menschen Adoboli.
Der Film steigt ein mit Teilen aus der E-Mail, die Adoboli einem UBS-Buchhalter schrieb, bevor das ganze betrügerische Kartenhaus in sich zusammenfiel. Darin gibt er zu, dass er ausserhalb der Bücher handelte, um Verluste zu verbergen – in der Hoffnung, diese später wieder wettzumachen.
Er übernehme die volle Verantwortung und es tue ihm leid, liest Adoboli vor, was er damals schrieb. Er habe in seiner grössten Naivität eine E-Mail geschrieben, sagt er jetzt.
Eben kein «Criminal Mastermind»?
Nach einem Handelsverlust von 2,3 Milliarden US-Dollar wurde Adoboli wegen Betrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt, konnte das Gefängnis aber wegen guter Führung 2015 vorzeitig verlassen. Vom Vorwurf der Bilanzfälschung sprach ihn die Jury frei.
Von 2008 bis zu seiner Festnahme im September 2011 soll er bei der UBS in London mit unerlaubten Spekulationen und fingierten Geschäften die Handelsobergrenzen umgangen haben. Wie kam es dazu, aus der Perspektive von Adoboli? Darum geht es in «The Narrative». Denn Adoboli kann sich selbst nicht wiederfinden in dem Bild, das die Medien zeichnen: Zocker oder «Criminal Mastermind».
Die Doku, die am Donnerstag in die Deutschschweizer Kinos kommt, will die Mechanismen in der Bank und am Trading-Desk aufzeigen: die Überarbeitung, den Grössenwahn der Investmentbanker-Welt. Adoboli habe nicht für den eigenen Profit gehandelt, habe sich nicht selbst bereichert. Er sieht sich als ein Opfer des Systems, der damaligen Stimmung in der Gesellschaft.
Film nach Ausschaffung auf der Kippe
Der Film lebt vor allem von seinen Protagonisten – allen voran Adoboli, der reflektiert und authentisch erzählt und so tiefe Einblicke in sein Leben gibt. Der Gerichtsprozess von 2012 wird im Film in Ghana mit schwarzen Laienschauspielern nachgestellt, mit wortgetreuen Dialogen zwischen Staatsanwaltschaft und Zeugen aus dem Prozessprotokoll.