Tanguy Nef träumt vom zweiten Coup in Bormio
In der Team-Kombination ist ihm der perfekte Lauf geglückt, nun möchte Tanguy Nef am Montag im Slalom nachdoppeln. Der Genfer spricht über die emotionalsten Tage seiner Karriere.
Im House of Switzerland in Bormio wurde in den vergangenen Tagen ausgelassen gefeiert. Besonders am Montag, als nach der Team-Kombination gleich vier Schweizer Alpin-Athleten ihre Medaillen präsentierten. Sie alle wurden bejubelt, doch ein Name wurde besonders oft skandiert. Und für einmal war es nicht jener von Franjo von Allmen, Marco Odermatt oder Loïc Meillard. Nein, die Fans riefen: «Tanguy, Tanguy, Tanguy.»
Der Slalomfahrer aus Veyrier hatte mit einem Traumlauf geglänzt. Was ihm da gelungen war, konnte Nef selbst lange kaum realisieren. «Schon als ich mit Marco, Franjo und Loïc auf dem Podest stand, hatte ich fast ein bisschen das Imposter-Syndrom», erinnert er sich. Dieses beschreibt das Gefühl, Erfolge nicht verdient zu haben und als «Betrüger» entlarvt zu werden. «Ich stand da mit den drei Stars, ich bin ja selbst ein bisschen Fan von ihnen, und hörte dann plötzlich auch meinen Namen.»
Ein surrealer Moment für den 29-Jährigen, der im Weltcup noch nie auf dem Podest gestanden hatte und meist im Schatten seiner erfolgreichen Teamkollegen geblieben war. Auch Tage später holt er die Medaille manchmal hervor, um sich zu vergewissern: «Okay, sie ist immer noch da, das war also echt.»
Der College-Skifahrer
Wie viel ihm dieser Erfolg bedeutet, ist Nef auch drei Tage später beim Mediengespräch im Teamhotel anzusehen. «Ich stand am Start und dachte: Das sind meine ersten Olympischen Spiele.» Dann bricht seine Stimme und leicht zittrig fährt er fort: «Ich habe mein ganzes Leben darauf hingearbeitet. Und ich wusste: Es ist jetzt oder nie.»