Streit um Rückkehr belastet den Friedensprozess in Bergkarabach
Rückkehr der Bergkarabach-Armenier gilt als «heikelstes Thema»
Der Konflikt um Bergkarabach sowie die Forderung nach einer Rückkehr der vertriebenen Bevölkerung lassen Armenien nicht in Ruhe. Auch Schweizer Politiker diskutieren bei den heiklen Fragen mit.
Die Fronten im südkaukasischen Staat sind verhärtet: Während die einen befürchten, dass eine Rückkehr der Vertriebenen den Friedensprozess zwischen Armenien und Aserbaidschan gefährden könnte, glauben die anderen, dass der Friedensprozess ohne den Einbezug der Bergkarabach-Armenier zum Scheitern verurteilt ist.
«Wir sind kollaterale Opfer des Konflikts zwischen Russland und dem Westen», sagt Artak Beglaryan, und meint die vertriebene Bevölkerung aus Bergkarabach. Er verliess seine Heimat im September 2023 zusammen mit rund 100'000 weiteren Armenierinnen und Armeniern.
Seither setzt er sich als Präsident der Nichtregierungsorganisation «Arzach Union» für eine Rückkehr der vertriebenen Bevölkerung in ihre Heimat ein, wie er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA in Eriwan sagt. Bergkarabach wird in Armenien auch Arzach genannt.
Die Bevölkerung wurde durch das aserbaidschanische Militär vertrieben, das die Region unter die Kontrolle von Baku brachte. Bergkarabach war stets aserbaidschanisches Staatsgebiet und bis 2023 mehrheitlich von Armeniern bevölkert.
«Gemäss der letzten durchgeführten Volkszählung im Jahr 1987 lebten 184'000 Menschen in Bergkarabach, 142'000 davon waren Armenier und 42'000 Aserbaidschaner», sagt Roman Karapetyan, Politikwissenschaftler der Staatsuniversität Eriwan. Aktuellere belastbare Zahlen lägen nicht vor.
Friedensprozess sieht keine Rückkehr vor
Der geflüchteten Bevölkerung bietet die Regierung in Eriwan ein Niederlassungsprogramm in Armenien an. Dieses sehe den Erhalt eines armenischen Passes sowie eine finanzielle Hilfe vor. «Das Geld reicht aus, damit eine Familie ein Haus kaufen kann», ordnet Karapetyan ein. Rund 40'000 Personen hätten bereits davon Gebrauch gemacht.