Das Vertrauen der Glarnerinnen und Glarner in die Credit Suisse ist gestört
von Julia Benz und Marco Häusler
Nach dem Fall der Credit Suisse sind viele Menschen besorgt. Nicht nur Kundinnen und Kunden sind verunsichert. Der Kollaps beunruhigt auch im Hinblick auf das gesamte Finanzsystem. Welche Auswirkungen hat dies auf die Bürgerinnen und Bürger in Glarus und wie schätzen diese die Situation ein? Eine Strassenumfrage ergibt ein eindeutiges Meinungsbild.
«Too big to fail» war gestern
«Das ist eine Katastrophe, immer geht es nur ums Geldschaufeln», zeigt sich Willi Wickihalder, ehemaliger Betriebschef, in der Nähe der kantonalen Verwaltung in Glarus empört über die brisante Misslage der Credit Suisse. Der 77-Jährige ist froh, sein Konto bereits vor Jahren aufgelöst zu haben.
Doch nicht erst seit gestern steckt die Credit Suisse in einer Vertrauenskrise. Bereits 2016 wurden Missstände deutlich sichtbar, als Entschädigungen in Milliardenhöhe aufgrund von faulen Hypothekenpapieren geleistet werden mussten. Mit dem Zusammenbruch der Silicon-Valley-Bank und der darauffolgenden Schliessung hat es nun auch die Credit Suisse endgültig schwer getroffen. Der Kollaps stösst bei vielen auf Unmut in Bezug auf das Bankmanagement.
So sagt auch die 75-jährige Regina Hess im Volksgarten Glarus: «Ich bin definitiv nicht damit einverstanden, was die Manager getan haben.» Hess, die ehemals in der Krankenpflege tätig war, bemerkt mit einem unverständlichen Kopfschütteln, dass kein Mensch drei Millionen Franken wert sei, und bezieht sich dabei auf die exorbitanten Jahresgehälter, für die Credit Suisse ebenfalls in der Kritik steht. Sie selbst sei seit Jahren zufriedene Kundin der Credit Suisse und habe momentan keine Angst um ihr Geld. Einverstanden mit den Umständen, die zur Krise geführt haben, sei sie aber nicht. «Hoffentlich gibt es ein Strafverfahren für die Beteiligten», sagt Hess.
Wirft kein gutes Licht auf Banken
Der Fall der Credit Suisse zeigt, wie angreifbar die Stabilität einer systemrelevanten Bank innerhalb des Finanzsystems sein kann. «Das wirft kein gutes Licht auf die Banken und vor allem nicht auf die Credit Suisse», stimmt auch Andi Maerz, 63 Jahre, ehemaliger Journalist, Nähe der Helvetia-Versicherung in Glarus zu.