Stiftin belästigt: Vor Gericht streitet Mitarbeiter alles ab
Sie hat keine Beweise. Nur ihre Worte. Zwar besitzt die junge Frau aus der Region ein Video, wie sie dieser Zeitung verrät: «Ich habe mich gefilmt, wie ich weinte. Aber das nützt ja sowieso nichts», meint sie während einer Pause der Gerichtsverhandlung gestern Mittwoch in Uznach. Minuten später wird der Kreisrichter in Uznach das Urteil verkünden. Auf einen Schuldspruch hofft die junge Klägerin, aber sie glaubt nicht wirklich daran. «Es steht Aussage gegen Aussage.»
Und was vor einem Jahr genau passiert ist, wissen nur sie und ihr ehemaliger Arbeitskollege. Gemäss der Anklageschrift handelt es sich um mehrfache sexuelle Belästigung. Dies soll passiert sein, als die Auszubildende immer wieder mit dem um rund zehn Jahre älteren Festangestellten zu zweit auf Montage geschickt wurde.
Der Tiefpunkt beim Znüni in der Tiefgarage
Während eines Monats macht er etliche anzügliche Bemerkungen und berührt wiederholt ihre Beine. In der Anklageschrift sind diese Vorkommnisse detailreich beschrieben. Ein Vorfall in einem Parkhaus fällt besonders auf. Die beiden essen im Auto Znüni. Dann entblösst er seinen Penis. Und fragt sie, ob sie diesen berühren will. Die Auszubildende lässt den verheirateten Mann abblitzen. Stattdessen sucht die Frau im Teenageralter das Gespräch mit dem Lehrbetrieb.
Dort stösst sie offensichtlich nicht nur auf Verständnis. Ihre Betreuerin beobachtet zwar, dass sie emotional mitgenommen ist. Der Chef soll aber über die Vorfälle sagen, dass eine junge Frau «auf die Tränendrüse drückt». Die Stiftin macht dem Beschuldigten daraufhin das Angebot, die Sache beizulegen. Sie will nur, dass er sich bei ihr entschuldigt und gegenüber dem Betrieb die Taten zugibt.
Er verzichtet. Bei einer Aussprache im Geschäft sagt der Beschuldigte: «Sie will mich kaputtmachen. Und dass ich mich von meiner Frau trenne.» Die Auszubildende kriegt einen Wutanfall. Droht ihm mit der Polizei. Gemäss eigenen Aussagen macht sie ihm später das Angebot, sich einfach persönlich bei ihr zu entschuldigen. «Ich hätte es niemandem erzählt», sagt sie. Er verzichtet wieder. Sie hat genug. Und schaltet die Polizei ein.