Spitäler: H +-Direktorin sieht Lage weiterhin «äusserst angespannt»
Die Lage in den Schweizer Spitälern bleibt «äusserst angespannt». Es gebe mehr Patientinnen und Patienten bei gleichzeitig weniger Personal und schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen, sagte H+-Direktorin Anne-Geneviève Bütikofer in einem Interview.
«Hinzu kommen steigende, oft nicht finanzierte Verwaltungsaufgaben, die Zeit von Ärzten und Pflegepersonal auf Kosten der Patienten in Anspruch nehmen», sagte Bütikofer in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung «Le Temps». «Ich würde nicht sagen, dass die Spitäler auf der Intensivstation sind, sondern eher unter enger Beobachtung.»
Der politische Druck wegen steigender Gesundheitskosten habe zu einer Unterfinanzierung geführt, sagte sie weiter. Diese betrage rund 25 Prozent im ambulanten Bereich und 10 Prozent im stationären Bereich. «Das bedeutet, dass die heutigen Tarife nur 75 Prozent der erbrachten Leistungen decken. Die Spitäler müssen die Lücke mit Reserven oder Gewinnen schliessen.»
Organisation nicht nachhaltig
Laut einer von H+ in Auftrag gegebenen und im November 2025 veröffentlichten Studie ist die Spitallandschaft in der Schweiz nicht nachhaltig organisiert. Die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen steige, der Fachkräftemangel verschärfe sich und die Tarife deckten die Kosten nicht.
Die Studie empfiehlt eine stärkere Koordination und Zusammenarbeit zwischen den Spitälern, einen Ausbau der ambulanten Versorgung sowie eine beschleunigte Digitalisierung.
Die Transformation der Spitalorganisation sei bereits im Gang, sagte Bütikofer. Dies zeige sich etwa an Spitälern, die enger zusammenarbeiteten oder in abgestuften und koordinierten Netzwerken organisiert seien. Dabei würden die Fachleute gemeinsam festlegen, welche Leistungen wo und mit welchem Qualitätsniveau erbracht werden sollen.
«Strukturelles Ungleichgewicht»