Spaniens fliegende Mähne auf der linken Aussenbahn
Marc Cucurella ist ein Grund für Spaniens Final-Einzug an der WM – und eine besondere Figur. Weltklasse-Verteidiger, Vater eines kranken Kindes, Buhmann in Deutschland – und Fan seines Trainers.
Mit wehender Mähne donnert Marc Cucurella über die linke Aussenbahn. Vor und zurück. 90 Minuten. Und wenn es sein muss, auch noch mehr. Der Wuschelkopf ist ein leidenschaftlicher Zweikämpfer, ein starker Flankengeber, ein echter Energielieferant – und ein Schlüssel für Spaniens Erfolg an dieser Fussball-WM. Im Final gegen Argentinien am Sonntag (21.00 Uhr Schweizer Zeit) in East Rutherford will der 27-Jährige seiner schon besonderen Geschichte das nächste grosse Kapitel hinzufügen.
In Deutschland wurde Cucurella durch sein ungeahndetes und vieldiskutiertes Hands im EM-Viertelfinal vor zwei Jahren zum grossen Buhmann. Für Frankreichs Offensiv-Asse um Superstar Kylian Mbappé im WM-Halbfinal am Dienstag in Arlington zum personifizierten Alptraum. «Was für eine verdammt geile Leistung!», rief der Aussenverteidiger, als er nach dem verdienten 2:0 des Europameisters in die Kabine lief. Immer noch voller Adrenalin.
Nach der WM bei Real
Wer ist dieser Mann, der für Spaniens Nationalteam so unverzichtbar geworden ist?
Die Popularität und Strahlkraft früherer grosser Verteidiger wie Sergio Ramos, Carles Puyol oder Gerard Piqué, die vor 16 Jahren Spaniens bislang einzigen WM-Titel gewannen, hat Cucurella nicht. Vielleicht macht ihn aber auch genau das gerade so wertvoll. Die Franzosen hätten im Halbfinal gegen «die beste Mannschaft» antreten müssen, sagte Spaniens Nationalcoach Luis de la Fuente und meinte damit nicht die spielerische Qualität seiner Schützlinge, sondern ihren Teamgeist. Cucurella lebt den vor wie kaum ein anderer.
Der Defensivmann hat in seiner Karriere früh gelernt, dass es nicht immer nur geradeaus ins Rampenlicht geht, sondern man auch mal weniger glamouröse Umwege nehmen muss. Ausgebildet in der berühmten Talentschmiede des FC Barcelona, wurde Cucurella erst an Eibar und Getafe verliehen und spielte dann noch für Brighton & Hove Albion, ehe er 2022 den Sprung zu Chelsea schaffte. Nach der WM macht er sogar noch einen grösseren Schritt: zu Real Madrid. Voller Überzeugung – und das als gebürtiger Katalane.