Späterer Lohn für Investitionen in die St. Galler Frühförderung
Im Kanton St. Gallen sollen die Sprachkompetenzen aller Kinder vor dem Schuleintritt überprüft werden. Der Besuch eines Förderangebots kann angeordnet werden. Damit könnten später Kosten eingespart werden, weil es in der Schule weniger Unterstützungsmassnahmen braucht.
Unter dem Titel frühe Förderung dürfte der St. Galler Kantonsrat in der kommenden Junisession für Eltern verpflichtende Massnahmen beschliessen. Die Kommission ist mit der Vorlage grundsätzlich einverstanden.
Vorgesehen sind obligatorische Abklärungen aller Kinder im zweiten oder dritten Altersjahr. Wer für die Beurteilung zuständig sein wird, ist noch nicht geregelt. Je nach Resultat kann anschliessend eine Massnahme im Bereich der frühen Förderung für Eltern und Kinder verpflichtend angeordnet werden.
Für die Umsetzung müssen die Gemeinden sowohl die Angebote für die Begutachtung als auch diejenigen für die verpflichtenden Massnahmen organisieren. Die Kosten dafür sind nicht bekannt.
In der Vorlage gibt es auch keine Schätzungen, wie hoch der Prozentsatz der Kinder sein könnte, die vor dem Schuleintritt Förderangebote besuchen sollten. Die Regierung nennt nur die Gesamtzahl der Kinder, die 2023 abgeklärt worden wäre. Damals lebten im Kanton rund 5600 zweijährige Kinder.
25 Prozent mit mangelnden Deutschkenntnissen
Erfahrungen mit dem System der frühen Sprachförderung gibt es aber bereits im Kanton Thurgau. 2024 wurden dort erstmals alle dreijährigen Kinder auf ihre Sprachkompetenzen hin untersucht. Das Resultat: Bei 25 Prozent seien ungenügende Deutschkenntnisse festgestellt worden. Das heisst, dass von 3123 Kindern 792 eine vorschulische Sprachförderung besuchen müssten, damit sie beim Eintritt in den Kindergarten dem Unterricht folgen können.
Die Zahlen stammen aus der Antwort auf einen Vorstoss aus dem Thurgauer Grossen Rat. Der Regierungsrat zeigt sich überrascht, dass so viele Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen eine Schweizer Staatsbürgerschaft besitzen. Als Erklärung wurde eine Erhebung angeführt, die zeigt, dass in 44,3 Prozent der Thurgauer Familien zu Hause neben Deutsch mit dem Kind andere Sprachen gesprochen werden.