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Schweiz & Welt

So will die Gastronomie des Lehrlingsmangels Herr werden

Patrick Kuoni
17.07.2019, 16:24 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

In Graubünden werden auf den Start der Lehre Anfang August zahlreiche Lehrlingsplätze unbesetzt bleiben. Aktuell sind noch rund 700 Lehrstellen ausgeschrieben. Im Vergleich zum Vorjahr bleiben damit zumindest gemäss einem Vergleich der Zahlen von Ende Juni noch mehr Plätze frei als 2018. Besonders betroffen sind die Branchen Detailhandel, Hotel-Gastro, Bau-/Baunebengewerbe, Automobil, Bäcker, Metall/Maschinen. Für viele der betroffenen Branchen sind es keine neuen Probleme. Bereits in den Vorjahren blieben viele Stellen unbesetzt. Dies bestätigt der Geschäftsführer von Gastro Graubünden, Marc Tischhauser: «Der Trend zeichnet sich seit einigen Jahren ab.» Man stelle in Gesprächen mit Ausbildungsbetrieben fest, dass es schwieriger werde, gute Lernende zu finden.

Die Gründe für die fehlenden Lehrlinge sind vielfältig. Unter anderem verzeichneten die Schulen einige zahlenmässig schwache Abgangsjahre. Diese Jahre sind bald überstanden. Tischhauser sieht aber noch weitere Ursachen für den Lehrlingsmangel: «Die Matura-Quote ist in der Tendenz steigend, ausserdem gibt es zusätzliche ‹neue› Berufe. Das spürt nicht nur die Hotellerie und Gastronomie, sondern generell dienstleistungsorientierte und gewerbliche Branchen.» Aufgrund der demografischen Entwicklung herrsche ganz generell ein starker Wettbewerb um Berufsnachwuchs und ein eigentlicher «Kampf um Talente». Tischhauser hält weiter fest: «Zusätzlich zur demografischen Entwicklung beobachten wir ein Stadt/Land-Gefälle. Während es in den Städten einfacher ist, Junge zu rekrutieren, ist das auf dem Lande oftmals deutlich schwieriger.»

Mehr Aktivitäten in den sozialen Medien

Der Branchenverband Gastro Graubünden versucht mit verschiedenen Massnahmen des Lehrlingsmangels Herr zu werden. «Wir setzen uns permanent dafür ein, dass die vielfältigen gastgewerblichen Berufsbilder zukunftsgerichtet und wettbewerbsfähig bleiben. Es ist unser Anliegen, dem Berufsnachwuchs attraktive Perspektiven aufzuzeigen», erklärt Tischhauser. So gebe es seit zwei Jahren eine neue Ausbildung zur Hotel-Kommunikationsfachfrau/mann, welche sich grosser Beliebtheit erfreue. Man habe im Bereich des Nachwuchsmarketings die Aktivität insbesondere auch in den sozialen Medien deutlich ausgebaut und setzte ausserdem diverse Nachwuchsprojekte um. So sei man beispielsweise auch an diversen Berufsschauen präsent.

Hoffen auf den Gegentrend

Für die Zukunft sieht Tischhauser einige positive Anzeichen: «Der gegenwärtige Trend wieder vermehrt hin zu mehr Handwerk und Herkunft – gewissermassen als Gegentrend zur Globalisierung und Digitalisierung – ist auch eine Chance für unsere gastgewerblichen Berufe.» Hinzu komme, dass gerade der Kochberuf durch die starke Präsenz am Fernsehen eine hohe Aufmerksamkeit geniesse. Zudem bieten die Gastro-Berufe gemäss Tischhauser sehr gute Berufs-Perspektiven. «In unserer Branche ausgebildete Leute sind begehrt auf der ganzen Welt.»

Wie die Baubranche dem Lehrlingsmangel begegnen will, lesen Sie hier: 

Dringend gesucht: Bündner Lehrlinge

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