Ski-Legende Roland Collombin ist tot
Das Enfant terrible des Schweizer Skisports ist nicht mehr. Roland Collombin, zu seiner Aktivzeit der Konterpart zu Bernhard Russi, ist am Freitag im Alter von 75 Jahren verstorben.
Vor zwei Jahren hatte Roland Collombin den schwierigsten Kampf seines Lebens aufgenommen. Mit seinem starken Charakter und seiner aussergewöhnlichen Willenskraft hatte der Unterwalliser zunächst den Kehlkopfkrebs überwunden, ehe er später an Leberkrebs erkrankte. Nun ist der Olympia-Silbermedaillengewinner in der Abfahrt von 1972 in Sapporo verstorben, wie seine Familie auf Instagram mitteilte.
Der wildeste aller erfolgreichen Skirennfahrer
Bernhard Russi und Roland Collombin. Sie waren die besten Schweizer Skirennfahrer Anfang der Siebzigerjahre. Der eine war der Liebling der Nation, Traum-Schwiegersohn und Musterschüler des Verbandes. Der andere war Collombin, der wilde, faule Hund – der Walliser Lebemann, der es auf und neben der Piste krachen liess und sich einen Deut um sein Image scherte. Er gewann acht Weltcuprennen und zweimal den Abfahrtsweltcup.
Collombin war ein Verrückter, meist im positiven Sinn, unberechenbar zu jeder Tageszeit, Spassvogel und Enfant terrible in einem. Er lieferte dem Boulevard in schöner Regelmässigkeit Stoff für Geschichten und störte sich nicht daran, wenn dieser ihn als John McEnroe des Skisports bezeichnete und schrieb, in seinen Adern fliesse Fendant.
Der Mann aus dem Val de Bagnes, Sohn einer Italienerin und eines Wallisers, war der wildeste aller erfolgreichen Skirennfahrer, den die Schweiz je herausgebracht hat. Und er stand dazu. Er sei ein glühender Anhänger des gemütlichen Lebens und werde immer ein Faulpelz sein, sagte er unverblümt. So wenig wie nötig arbeiten und so viel wie möglich rausholen, das war seine Devise.
An den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo, an denen er noch vor seinem ersten Weltcup-Podestplatz überraschend Silber hinter Russi gewann, steckte ihn die Polizei nach einer Zechtour mit dem Eishockeyspieler Jacques Pousaz vorübergehend ins Gefängnis. Die beiden Sportler hatten reichlich Unfug getrieben, sein Kumpane verstrickte sich in Handgreiflichkeiten. Zwei Weltcupsiege, mindestens, errang er nach Sauftouren oder Schäferstündchen bis in die Morgenstunden des Renntages.