Shiffrin und ihre Olympia-Dämonen
Mit 18 gewinnt Mikaela Shiffrin in Sotschi den Slalom, doch der olympische Glanz ist mittlerweile verblasst. Im Riesenslalom vom Sonntag geht es für die Amerikanerin darum, ihre Dämonen zu vertreiben.
Mikaela Shiffrin sucht das Drama und die Öffentlichkeit nicht so sehr wie ihre noch berühmtere Landsfrau Lindsey Vonn. In den letzten Jahren ist es eher so, dass das Drama sie sucht. In Peking 2022 und in Killington im November 2024 erlebte sie zwei ziemlich traumatische Erlebnisse.
Für Shiffrin ist klar, welches schlimmer war. «Ich würde Peking jederzeit dem Sturz in Killington vorziehen», sagte sie vor dem Start der Spiele in Cortina. Auf dem Weg zu ihrem 100. Weltcupsieg – der nächstbeste Skifahrer ist Ingemar Stenmark mit 86 und sie selber steht mittlerweile bei 108 – war sie ausgerechnet unweit ihres Zuhauses in Vermont so unglücklich gestürzt, dass sie sich mit dem Stock eine üble Verletzung im Bauch zufügte.
Kleine Schritte
Während sie im Slalom erstaunlich schnell wieder zur dominanten Fahrerin wurde, tat sie sich im Riesenslalom lange sehr schwer. Erst im letzten Rennen vor Olympia schaffte sie es in Tschechien vierzehn Monate nach dem Unfall als Dritte erstmals wieder aufs Podest. Die Blockade war mehr im Kopf als im Körper. «Diese Kämpfe verlaufen nicht linear», erklärt Shiffrin. «Es geht nicht, wie man es erwartet.» Es sei ein Prozess, der Zeit brauche. «Zeit hilft, sich dem in kleinen Schritten auszusetzen. Es bringt nichts, sich vor seinen Ängsten zu verstecken.»
Ihre Angst vor den Riesenslalom-Schwüngen hat Shiffrin überwunden, nun bleiben noch die Dämonen von Peking. In ihrem Palmarès fehlt nichts. Die Amerikanerin ist erst 30 Jahre alt, hat aber bereits alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. 2014 gab es als Teenager Olympia-Gold im Slalom, vier Jahre später in Pyeongchang Riesenslalom-Gold und Kombi-Silber. Schon acht Mal war sie Weltmeisterin, fünf Mal gewann sie den Gesamt-Weltcup.