Sein Ende als Nationaltrainer passt nicht zu Deschamps
Während vierzehn Jahren steht Didier Deschamps für Ordnung und Disziplin. Das 185. und letzte Spiel als Chef an Frankreichs Seitenlinie passt da so gar nicht dazu.
Nur mühsam kann Didier Deschamps seine Tränen zurückhalten. Der Baske aus dem Süden Frankreichs, der sonst immer eher reserviert und kontrolliert wirkt, zeigt für einmal Emotionen. Das spektakuläre 4:6 im Spiel um die Bronzemedaille gegen England war sein 185. und letztes Spiel an der Seitenlinie der Bleus.
«Ich möchte nicht vor euch weinen, aber ich könnte, weil ich so viele tolle Nachrichten bekommen habe», erklärt der 57-Jährige bei der folgenden Pressekonferenz. «Es ist das Ende einer Reise.» Eine Reise, die an einem Tiefpunkt des französischen Fussballs begann und zur erfolgreichsten Zeit wurde.
Spielintelligenz und taktische Vision
Deschamps zeigte bereits als Spieler die Qualitäten, die ihn zum herausragenden Nationalcoach machen sollten. «Dédé» brillierte als defensiver Mittelfeldspieler, führte Frankreich 1998 als Captain zum WM-Titel und gewann mit Marseille und Juventus Turin die Champions League. Eric Cantona bezeichnete Deschamps einst als «Wasserträger», der die Bälle holt und an talentiertere Mitspieler weitergibt. Solche wie Zinédine Zidane oder Alessandro Del Piero. Selber hatte er nicht die stupende Technik, aber eine Vision, Spielintelligenz und Disziplin.
Durch diese Eigenschaften zeichnete sich auch «sein» Nationalteam aus. Deschamps übernahm eine Equipe in Aufruhr. An der WM 2010 in Südafrika hatten die Spieler mit dem berühmten «Streik von Knysna» gegen Trainer Raymond Domenech unrühmliche Geschichte geschrieben und waren suspendiert worden. Domenechs Nachfolger Laurent Blanc warf nach nur zwei Jahren und einem Viertelfinalout bei der EM gegen den späteren Europameister Spanien den Bettel hin. Mit Deschamps ging es wieder aufwärts, er brachte wieder Struktur ins Team.
Gutes Gespür für die Stars