Schweizerinnen dank verbessertem Körperspiel zu Olympia-Bronze
Das Frauen-Eishockey ist schneller, härter und kompletter geworden. Die Schweizerinnen nutzen diese Entwicklung in Mailand beim Gewinn von Olympia-Bronze zu ihrem Vorteil.
Es muss kein Zufall sein, dass mit der Schweiz und Schweden hinter den Grossmächten USA und Kanada ausgerechnet jene zwei Nationen in Mailand die Halbfinals erreichten, die wie in Nordamerika in der heimischen Meisterschaft Checks erlauben. Schweden führte das harte Körperspiel vor vier Jahren als erstes Land in seiner höchsten Frauenliga ein – mit dem Ziel, das Spiel näher an jenes der Männer heranzuführen. Auf diese Saison hin zog die Schweiz nach.
Die Lücke zu den beiden Topnationen ist zwar nach wie vor gross, wenn auch nicht mehr ganz so ausgeprägt. In der Breite aber ist das Feld zusammengerückt. Mit Tschechien, Finnland und Schweden lieferten sich die Schweizerinnen in Mailand Duelle auf Augenhöhe und schlugen auf dem Weg zu ihrer zweiten olympischen Bronzemedaille nach Sotschi 2014 alle drei direkten Konkurrentinnen. Ein Schlüssel dazu war auch das verbesserte Körperspiel.
Regelwirrwarr
An internationalen Turnieren wie jenem in Mailand sind Checks allerdings weiterhin verboten. Dieses Nebeneinander unterschiedlicher Regelauslegungen sorgte mehrfach für Kopfschütteln. Für die Unparteiischen ist es oft ein schmaler Grat: Was ist ein klarer Check, was ein erlaubtes Abdrängen an der Bande? Die Grauzone führt zu Unsicherheit, bei Spielerinnen, Trainern und Schiedsrichterinnen gleichermassen.
Anja Stiefel, die beim Schweizer Verband seit einem Jahr als Managerin Frauen-Hockey die nachhaltige Förderung vorantreibt, plädiert für Klarheit. «Für alle wäre es einfacher, wenn man die Regeln vereinheitlichen und Checks erlauben würde», sagt die frühere Nationalstürmerin, die vor 14 respektive zwölf Jahren beim Gewinn von WM- und Olympia-Bronze Teil zweier Meilensteine des Schweizer Nationalteams war. Heute will die Ostschweizerin – wie viele Weggefährtinnen von damals – dem Frauen-Hockey etwas zurückgeben, indem sie Strukturen schafft und Perspektiven eröffnet.