Schweizer Pavillon zeigt in Venedig das unvollendete Zusammenleben
An der 61. Kunstbiennale in Venedig behandelt der Schweizer Pavillon das Zusammenleben in einer von Unterschieden geprägten Gesellschaft. «The Unfinished Business of Living Together» heisst die Ausstellung, die Gianmaria Andreetta ko-kuratiert hat.
Gianmaria Andreetta und Luca Beeler haben zusammen mit der britischen Künstlerin Nina Wakeford «The Unfinished Business of Living Together» kuratiert. Das Team bespielt den Schweizer Pavillon mit einer Installation, hinter der eine bewusst offen formulierte Frage stehe, sagte Andreetta der Nachrichtenagentur Keystone-SDA im Gespräch: «Was bedeutet es, zusammenzuleben, wenn Verschiedenheit zu etwas wird, das eine Gesellschaft organisieren, anerkennen, eindämmen und zur Schau stellen muss?» Andreetta will demnach keine Lösungen für ein fruchtbares Miteinander präsentieren, sondern wichtige Fragen dazu aufwerfen.
Die Gegenwart hinterfragen
Grundlagen für die Installation sind die Schweizer TV-Sendungen «Telearena» aus dem Jahr 1978 und «Agora» von 1984. Beide Sendungen haben sich mit dem damals sogenannten «Problem der Homosexualität» befasst. Mit der Schau im Schweizer Pavillon wolle man verstehen, «wie eine Gesellschaft, ausgehend von einem Medium – dem Fernsehen – ein öffentliches Problem konstruiert», sagte Andreetta.
«Telearena» und «Agora» waren Live-Talkshows, die um theatralische Sketche herum aufgebaut waren. Diese dienten dazu, das Thema – in diesem Fall Homosexualität – einzuleiten. So haben man die Diskussion des Publikums im Studio anregen oder gar provozieren wollen, erklärte der Kurator.
Im Schweizer Pavillon will das Kuratorenteam nun die Spannungen sichtbar machen, die das Zusammenleben durchziehen. «Für uns war das Zusammenleben nie ein Slogan oder ein harmonisches Wort. Im Gegenteil. Zusammenleben bringt Reibung, gegenseitige Abhängigkeit und Kompromisse mit sich.» Das Publikum werde nicht etwa dazu aufgefordert, die Vergangenheit mit Überlegenheit zu beurteilen, sondern die Gegenwart zu hinterfragen.