Schlange stehen, Erdbeeren essen und Pimm's trinken
Wimbledon ist das Turnier der Traditionen und Kuriositäten, die es nur beim Rasen-Grand-Slam im Südwesten Londons gibt. Vom Anstehen in der «Queue» über die Erdbeeren bis zum Dresscode in Weiss.
Jedes der vier Grand-Slam-Turniere hat seine Eigenheiten und Qualitäten. Die Spielerinnen und Spieler sind sich allerdings einig. Nirgends ist die Atmosphäre so speziell wie im All England Lawn Tennis & Croquet Club an der Church Road in Wimbledon. Das sind ein paar der Traditionen, die den speziellen Geist des Rasenklassikers ausmachen.
Die Queue: erschwingliche Tickets für jedermann
In Zeiten exorbitanter Preise für Sport-Grossanlässe, an erster Stelle die laufende Fussball-WM, hält Wimbledon an einem zutiefst demokratischen Erlebnis fest. Ein Teil der Tickets wird über eine Lotterie verlost, ein Teil geht an die Zuschauer, die sich früh anstellen. Echte Fans campieren bereits am Vorabend auf dem Rasen der Anlage in der so genannten «Queue», der Warteschlange. Wer rechtzeitig da ist, hat ein Ticket praktisch garantiert – und die Preise sind moderat. Ein Ground Pass für die Aussenplätze kostet 33 Pfund (ca. 35 Franken), die günstigsten Tickets für den Centre Court 80 Pfund (ca. 86 Franken).
Die Anlage ist jeden Tag ausverkauft und platzt aus allen Nähten, weshalb sie in den nächsten Jahren grosszügig erweitert werden soll. Die Tickets könnten also wesentlich teurer verkauft werden. Jedoch: «Die Werte, die diese Queue repräsentiert, also die Zugänglichkeit von Wimbledon für ein breites Publikum, liegt uns sehr am Herzen», betonte die Turnierdirektorin Sally Bolton Anfang Woche bei einem Medientermin.
Debenture: der exklusive Zirkel
Wimbledon ist aber natürlich auch ein Event für die High Society, eine betuchte Klientel, die das besondere Erlebnis sucht. Das sind die so genannten «Debenture Holders». Sie erkaufen sich für fünf Jahre Zugang zu Plätzen auf dem Centre Court oder dem Court 1 sowie zu einem der exklusiven Restaurants und Bars. Für die Periode von 2026 bis 2030 kostet der günstigste Debenture Pass für den Centre Court schlappe 116'000 Pfund (ca, 125'000 Franken). Die Einnahmen kämen allen Besuchern zugute, versichert Sally Bolton. Damit würden Verbesserungen auf der Anlage finanziert.