Schellegoggi steigt mit neuem Zunftmeister ins Fasnachtsjahr
Zehn Jahre lang habe Rapperswil von fasnächtlicher Entwicklungshilfe aus Basel profitiert. Mit diesen Worten verdankte gestern Stadtpräsident Martin Stöckling den Zunftmeister Urs Ingold an der Generalversammlung der Schellegoggi im Restaurant «Rathaus» Rapperswil.
Das neue Motto: «Jetzt isch gnueg»
Zu Ingolds Rücktritt passt das diesjährige Fasnachtsmotto: «Jetzt isch gnueg». Der Grund für dieses Motto ist aber ein anderer: «Es wird zu viel ‹geschnorrt› und zu wenig gemacht in dieser Stadt», meint Ingold. «Und diese elende ‹Schickerei›: Von Amt zu Amt werden die Anliegen weitergeleitet. Bis man zu einem Stadtrat gelangt, der ebenfalls nicht zuständig ist», erklärte Ingold das Motto mit der Eloquenz eines Baslers «Schnitzelbängglers».
Die heurige Protesthaltung der Fasnächtler ist dem Streikjahr 2019 angelehnt. Deshalb kriegten die Gilets Jaunes, die Klimabewegung sowie der Frauenstreik von der Zunft ihr Fett weg. Wie üblich gespickt mit einer gehörigen Portion Sexismus, politischer Unkorrektheit und Ironie.
Ebenfalls standartmässig gehört an der Veranstaltung der Alkoholkonsum dazu. Dass der 11. November auf einen Montagmorgen fällt, tat dem gestern keinen Abbruch. Ob die Schnapszahl – es war die 44. GV der Schellegoggi – diesen gar beförderte, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Für die einzigen Misstöne im historischen «Rathaus»-Saal war eine Kombination der lokalen Guggenmusiken «Schlosshüüler», «Vögel», «IG Rondo» und «Harlekinos» zuständig. Sie haben noch etwas Zeit, um sich einzuspielen: Der Rapperswiler Sauwleuthen-Empfang geht am 14. Februar über die Bühne.
Schon bereit für die fünfte Jahreszeit zeigte sich Stapi Stöckling. Er erhoffe sich von den Fasnächtlern, dass sie den rückläufigen Bierkonsum in der Stadt wieder ankurbeln. Eine Dame rief herein: «Nur, wenn ihr die Steuern senkt.»
Schlagfertiger Neo-Zunftmeister
Noch nicht ganz an die rednerische Souveränität seines Vorgängers kam Neo-Zunftmeister Adrian Pfister bei seiner Rede heran. Dahingegen brillierte der 40-Jährige mit Scharfsinn und Schlagfertigkeit.