Alarm im Hinterland: So entwickelt sich der Luftkrieg

Russland hatte von Beginn des grossen Krieges an einen strategischen Vorteil: Es war in der Lage, das ukrainische Territorium in seiner gesamten Tiefe zu treffen. Die Zahl der russischen Angriffe stieg bis Dezember 2022, wobei ein grosser Teil der Raketen die ukrainische Luftabwehr durchbrach.
Die Ukrainer erhielten Ende 2022 und während des gesamten Jahres 2023 europäische und amerikanische Luftabwehrsysteme. Die Wirksamkeit der russischen Angriffe nahm ab. Ebenso sank die Zahl der Angriffe, da sich die russischen Bestände erschöpften. Der damalige Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, ging sogar davon aus, dass den Russen die Raketen ausgehen könnten.
Doch in der ersten Hälfte des Jahres 2024 kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Raketenangriffe, nachdem die nordkoreanische Version der Iskander-Raketen geliefert worden war. Zusätzlich gelang es den Russen, ihre eigene Raketenproduktion zu steigern. Seit 2024 schwankt die Zahl der russischen Luftangriffe auf das ukrainische Hinterland.
Der Irankrieg schwächt die Abwehrfähigkeit der Ukraine
Nachdem sich Trump dem aktiven Kampf Israels gegen den Iran angeschlossen hatte, wurden in der Region in grosser Zahl Abfangraketen für Patriot-Systeme eingesetzt. Die Ukraine musste sich der Realität stellen, dass es mittlerweile fast unmöglich ist, PAC-3-Abfangraketen zu beschaffen. Infolgedessen konnte die Ukraine im Juli nur noch 13 Prozent der russischen ballistischen Raketen abschiessen. Dies ist der niedrigste Monatswert in diesem Jahr.
Was wird passieren, wenn die Wirksamkeit der ukrainischen Luftabwehr gegen russische ballistische Raketen gegen null geht? Die Aussichten sind düster. Die russischen Invasoren werden im Winter Ziele ihrer Wahl treffen, darunter auch die Energieinfrastruktur. Dennoch ist die Ukraine immer noch zu gross und die russische Produktion zu gering, um die Ukraine zur Unterwerfung zu zwingen.
Die russische Produktion der gefährlichsten ballistischen Raketen ist zwar gestiegen, liegt aber derzeit nur bei 50 bis 60 Stück Iskander-M, 40 bis 50 überarbeiteten S-400-Raketen und mehreren hyperschallfähigen, seegestützten Zirkon-Raketen pro Monat. Daneben werden einige Marschflugkörper produziert.
Russland müsste seine Raketenproduktion vervielfachen
Im Gegensatz zu Marschflugkörpern waren ballistische Raketen schon immer ein schwieriges Ziel für die Luftabwehr. Das ukrainische Militär konnte in diesem Jahr monatlich 18 bis 35 Prozent der ballistischen Raketen abfangen, und das Land hat standgehalten.