Rund 54 Prozent Ja-Stimmen zum Wechsel zur Individualbesteuerung
Die Schweiz stellt ihr Steuersystem grundlegend um. Die Stimmenden haben am Sonntag mit rund 54 Prozent Ja gesagt zur individuellen Besteuerung aller Privatpersonen, ob diese nun verheiratet sind oder nicht.
Das stand am späten Abend laut dem Bundesamt für Statistik fest, nachdem auch die Stimmen im Kanton Freiburg fertig ausgezählt waren. Rund 1'662'000 Stimmende legten ein Ja ein und gegen 1'401'200 ein Nein. Knapp 56 Prozent der Berechtigten beteiligten sich am Urnengang.
Ja-Kantone in der Minderheit
Allerdings unterschied sich die Haltung der Stimmenden zur Frage, ob Ehegattinnen und -gatten neu getrennt besteuert werden sollten oder nicht, je nach Wohnregion. Zustimmung erhielt die Vorlage in der Westschweiz – ausser im Wallis – sowie in eher städtisch geprägten Deutschschweizer Regionen, darunter Zürich, Bern, Basel-Stadt, Luzern und Solothurn.
Die grössten Ja-Anteile hatten mit gegen 69 respektive mit knapp 68 Prozent die Kantone Waadt und Genf. Nichts wissen vom Systemwechsel wollte eine Mehrheit der Stimmenden in den mehrheitlich ländlichen Deutschschweizer Kantonen, aber auch im Wallis und im Tessin.
Mit fast 68 Nein sagte Appenzell Innerrhoden Nein. Nein-Anteile von mehr als 63 Prozent gab es in Uri und in Schwyz. Fest steht: Hätte die Vorlage ein Ständemehr benötigt, wäre sie gescheitert.
Verheiratete und gleichgeschlechtliche Paare, die in eingetragener Partnerschaft leben, werden nach dem Willen der Stimmenden künftig gemeinsam besteuert. Mit der heutigen gemeinsamen Besteuerung müssen Verheiratete wegen der Progression teilweise mehr Steuern bezahlen als Konkubinatspaare mit schon heute getrennten Veranlagungen.
Spätestens bis 1. Januar 2032
Bei der Bundessteuer dürften nach Angaben des Bundesrates rund 610'000 Ehepaare von der Heiratsstrafe betroffen sein. Etwa 670'000 Ehepaare haben demgegenüber steuerliche Privilegien. Fallen werden auch der sogenannte Heiratsbonus sowie Abzüge für Verheiratete und Zweiverdiener.