Ruhigere Nacht im Ukraine-Krieg, aber Vorwürfe an Moskau
Die erste Nacht der einseitig vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angeordneten Waffenruhe im Ukraine-Krieg ist vergleichsweise ruhig verlaufen.
Der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha warf Russland aber vor, seine Luftangriffe fortgesetzt zu haben. Moskau habe einmal mehr einen realistischen und fairen Aufruf ignoriert, die Feindseligkeiten zu beenden, schrieb er auf der Plattform X. Das zeige, dass Russland Frieden ablehne.
Sybiha sprach von einem vorgetäuschten Aufruf Russlands zu einer Feuerpause am 9. Mai, die nichts mit Diplomatie zu tun habe. Kremlchef Wladimir Putin interessiere sich nur für Militärparaden, nicht für Menschenleben, schrieb Sybiha. Er forderte mehr Druck auf Russland.
Selenskyj hatte den Beginn der Waffenruhe auf 0.00 Uhr Ortszeit am Mittwoch (Dienstag 23.00 Uhr MESZ) festgesetzt. Von russischer Seite hatte Präsident Putin zuvor eine Waffenruhe nur für Freitag und Samstag angeordnet, wenn in Russland an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg erinnert wird. Für den 9. Mai ist in Moskau die traditionelle Militärparade auf dem Roten Platz geplant. Den ukrainischen Vorstoss für eine frühere Waffenruhe kommentierte der Kreml zunächst nicht.
Weniger Angriffe gemeldet
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte russischen Agenturen zufolge mit, dass in der Nacht 53 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und der annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim abgewehrt worden seien – deutlich weniger als zuletzt. Das Ministerium sprach von einem Zeitraum zwischen 21.00 Uhr und 7.00 Uhr Ortszeit (20.00 Uhr und 6.00 Uhr MESZ). Der Angriff auf die Krim ereignete sich allerdings vor Mitternacht.
Angaben der Besatzungsverwaltung zufolge wurden fünf Zivilisten in der Stadt Dschankoj getötet. Ab Tagesbeginn gab es in staatlichen russischen Medien so gut wie keine Meldungen zu Gefahr durch ukrainische Drohnen.
Auch die Intensität der russischen Luftangriffe auf die Ukraine liess nach ersten Informationen etwas nach. Die ukrainische Luftwaffe meldete aber auch nach Beginn der von Selenskyj angekündigten Waffenruhe den Anflug von Drohnen unter anderem nach Charkiw. Am Morgen teilte sie mit, dass Russland seit Dienstag 18.00 Uhr (17.00 Uhr MESZ) mit drei Raketen und 108 Drohnen angegriffen habe. Davon seien 89 Drohnen abgewehrt worden.