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Schweiz & Welt

Ein aufgeheizter 1. August

Andri Dürst
05.08.2023, 12:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Und zwar wurde damals der ursprünglich geladene Festredner Erwin Odenbach, Mitglied der Kongressleitung und Leiter der ärzt­lichen Fortbildung der deutschen Bundesärztekammer, kurzfristig wieder ausgeladen (siehe Artikel der «Südostschweiz»). Der damalige Landammann Luzius Schmid sah sich zu diesem Schritt gezwungen, da das Jodelchörli Parsenn gedroht haben soll, an der Feier nicht aufzutreten – weil mit Odenbach ein ausländischer Redner engagiert war. Angeblich war auch die Bereitstellung der traditionellen Gerstensuppe gefährdet. Die «Bündner Zeitung» (BZ) stellte Land­ammann Schmid für die Aktion aber ein schlechtes Zeugnis aus.

Keine Freude an der Berichterstattung der BZ hatte man derweilen in Davos. In Einvernehmen mit dem Artikelverfasser René Chatelain verfasste der damalige Kurdirektor Bruno Gerber eine Entgegnung, die nicht nur in der BZ, sondern auch in der «Davoser Zeitung» (Ausgabe vom 28. Juli 1983) abgedruckt wurde. Gerber gibt zwar zu, dass die kurzfristige Ausladung des Festredners «fürwahr peinlich» sei – «Für alle Mitverantwort­lichen und letztlich und gänzlich unverdientermassen für den Ausgeladenen», schrieb der Kurdirektor. Doch was ihn störte, war etwas anderes: «Dass der in der Tat unrühmliche Zwischenfall nun aber für die BZ Anlass war, in einem Artikel – und zumal in einem Kommentar zu diesem Artikel – den Davoser Land­ammann auf eine nicht alltägliche Art und Weise zu disqualifizieren, empfand ich als ungehörig.» Dass er einen kritischen Blick auf die Berichterstattung aus Chur hatte, zeigt auch folgende Passage: «Wie würde wohl der Kommentar der BZ lauten, wenn am 1. August in Davos das wahr geworden wäre, was angedroht worden ist (Störungen der Feiern, Demonstratiönchen)?»

Soweit kam es bekanntlich nicht, denn Odenbach wurde wie erwähnt ausge­laden und stattdessen die damalige Grossrätin Hedi Gadmer als Rednerin ­engagiert.

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