Roth und Werner treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an
Gibt es erstmals seit 20 Jahren wieder eine olympische Aerials-Medaille für die Schweiz? Dank Noé Roth und Pirmin Werner, die gleichzeitig Freunde und Rivalen sind, sind die Chancen intakt.
«Come on, Noé. Bring it home!» Diese Worte ruft Pirmin Werner an der letztjährigen WM in St. Moritz hinauf zur Schanze, wo sich Noé Roth auf seinen letzten Sprung vorbereitet. Dabei hat Werner soeben selbst die Führung übernommen. Weil er seinen Sprung jedoch erst mit einem zusätzlichen Salto nach der Landung steht, weiss er in diesem Moment bereits, dass es kaum zum Sieg reichen wird. Trotzdem sieht man es im Spitzensport nicht oft, dass sich direkte Konkurrenten gegenseitig anfeuern – notabene an einer WM. Doch Werner und Roth bewegen sich schon seit Jahren im Spannungsfeld zwischen Konkurrenz und Freundschaft.
Sie haben den gleichen Jahrgang, sind aber jeweils nur kurzzeitig gleich alt. Werner ist Anfang Januar 26-jährig geworden, Roth wird Ende Dezember nachziehen. Beide kamen vom Kunstturnen zur Skiakrobatik und teilen auch sonst ähnliche Interessen. Im Sommer gehen der Zürcher und der Zuger auch mal gemeinsam in die Surf-Ferien, im Winter treten sie jedoch gegeneinander an.
Dass der Schweizer Nationaltrainer Michel Roth zugleich Noés Vater ist, könnte unter anderen Umständen Konfliktpotenzial bergen. Bei diesem Duo ist das kein Thema. «Wir pushen uns gegenseitig und wären ohne den jeweils anderen kaum dort, wo wir heute stehen», sagt Werner. Im vergangenen Jahr gewann er WM-Bronze, während es Roth tatsächlich «nach Hause brachte» und nach 2023 zum zweiten Mal Weltmeister wurde.
Starke Konkurrenz aus China
Trotz dieser Erfolge gelten die beiden Schweizer in Livigno «nur» als Medaillenkandidaten, nicht als Topfavoriten. In der Weltcup-Saison, die Mitte Januar bereits endete, blieb beiden ein Sieg verwehrt. Immerhin: In sechs Springen stand Roth zweimal als Dritter auf dem Podest, Werner einmal als Zweiter. Dominiert wurde der Winter von den Chinesen, die gleich vier Athleten in den Top 5 der Gesamtwertung stellen. Roth und Werner folgen auf den Rängen 6 und 7.