Mehr Frauen erwünscht: Im Bergell soll sich die Gemeindepolitik weiterentwickeln
In den Gemeinden werden auf der bürgernächsten Ebene wichtige politische Entscheidungen getroffen, die das tägliche Leben unmittelbar und direkt beeinflussen. Das vermeldet der Kanton Graubünden in einer Mitteilung. Gleichzeitig seien Gemeinden mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Thematisch stossen sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben an ihre Leistungsgrenzen und organisatorisch bereiten ihnen die digitale Transformation sowie die Besetzung von Gemeindeämtern Sorgen, wie es weiter heisst.
Zu wenig Nachwuchs
Auch mit der Rekrutierung von geeigneten Kandidierenden tut sich laut Kanton rund die Hälfte der Gemeinden schwer. Dies sei einerseits der grossen Anzahl an Gemeindeämtern geschuldet. Andererseits nehme in der Bevölkerung die Bereitschaft zum formellen und ehrenamtlichen Engagement tendenziell ab. «Würden mehr Frauen für die Gemeindepolitik gewonnen, wäre diese wichtige politische Ebene gestärkt», erklärt Barbara Wülser, Leiterin Stabsstelle für Chancengleichheit von Frau und Mann.
Würden mehr Frauen für die Gemeindepolitik gewonnen, wäre diese wichtige politische Ebene gestärkt.»
Barbara Wülser, Leiterin Stabsstelle für Chancengleichheit von Frau und Mann
Nur 14 Prozent der Gemeindepräsidien in Graubünden halten Frauen, wie eine Erhebung des Amts für Gemeinden im Januar 2022 belegte. Auch bei den Gemeindevorständen liegt der Frauenanteil mit 21 Prozent unter dem Schweizer Durchschnitt von 25 Prozent. Ähnlich sieht die Situation in den Gemeindeparlamenten und -kommissionen aus. In der fusionierten Gemeinde Bregaglia liegt der Frauenanteil derzeit bei null Prozent. Im Forschungsprojekt Promo Femina der Fachhochschule Graubünden (FHGR) wurde mit Unterstützung der Stabsstelle sowie von vier weiteren Kantonen ein Onlinetool entwickelt, das Wege und Massnahmen aufzeigt, wie Frauen für die Politik motiviert werden können. Nun geht Promo Femina auf Tournee durch Graubünden.
Öffentlicher Anlass für die Weiterentwicklung
An der Veranstaltung La Bregaglia femminile, die am Donnerstag, 26. Januar, ab 17 Uhr im Hotel «Soglina» in Soglio stattfindet, werden die Massnahmen von Promo Femina vorgestellt, diskutiert und für die Verhältnisse vor Ort weiterentwickelt, wie der Kanton mitteilt. Die Stabsstelle für Chancengleichheit, das Zentrum für Verwaltungsmanagement der FHGR und das Laboratorio vivente Bregaglia der FHGR laden Interessierte, Frauen und Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden, Parteien und Netzwerken ein, sich auf das Thema der politischen Teilhabe auf Gemeindeebene einzulassen.
Anna Giacometti, Nationalrätin der FDP und ehemalige Gemeindepräsidentin von Bregaglia, und Nora Saratz Cazin, Gemeindepräsidentin von Pontresina und Grossrätin der GLP, geben einen Einblick in ihren Werdegang und ihre Erfahrungen in der Politik. Ausserdem können sich die Teilnehmenden in einem offenen, moderierten Raum vertieft mit den Verhältnissen des Bergells auseinandersetzen. Anmelden könnt ihr euch unter: www.gr.ch/va-stagl.li. (red)
Das Format soll unter dem Titel «Promo Femina on Tour» in weiteren Regionen in Graubünden durchgeführt werden. Das Projekt wird vom Kanton, der Stiftung für staatsbürgerliche Erziehung und Schulung, der Willi Muntwyler-Stiftung sowie der Gemeinde Bregaglia finanziell unterstützt.