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Schweiz und Welt

Regierung trifft sich mit Landwirten aus der Region Surselva

Südostschweiz
09.06.2020, 09:08 Uhr
gestern um 16:56 Uhr

Von den Herausforderungen im Umgang mit den Grossraubtieren sei die Landwirtschaft in besonderem Mass betroffen, schreibt die Standeskanzlei Graubünden in einer Mitteilung. Die Regierung habe Verständnis für die Sorgen und Erwartungen, welche die Landwirtschaft diesbezüglich habe und an die Gesellschaft und die Politik herantrage. Sie nehme die Bedürfnisse und Forderungen sehr ernst.

Stärkeres Abwehrverhalten von Rindern bei Wolfspräsenz

Aufgrund der jüngsten Vorkommnisse in der Surselva, aber auch im ganzen Kanton, sei zu erkennen, dass das Verhalten einzelner Wölfe und einzelner Rudel im Kanton zu Konflikten führen könne, heisst es in der Regierungsmitteilung weiter. In jüngster Zeit hätten Bauern beobachtet, dass Rindviehherden wegen der Wolfspräsenz in ihrem Verhalten gestört würden und vereinzelt auch Ziel von Übergriffen werden könnten, teilt der Kanton Graubünden mit.

Bisher habe es im Kanton selten Übergriffe von Wölfen auf Rinder gegeben, hält die Regierung fest. Aufgrund der bisherigen und der von den Fachleuten erwarteten weiteren Entwicklung der Wolfspopulationen würden die am Austausch beteiligten Fachleute des Kantons und die Vertreter der Landwirtschaft weiterhin nicht ausschliessen, dass unter besonderen Umständen auch Tiere der Rindergattung, insbesondere Jungtiere, vom Wolf gerissen und genutzt werden könnten und sich die Situation in absehbarer Zeit im gesamten Kantonsgebiet verschärfen könnte.

Regelmässiger Austausch nötig

Neben den negativen Folgen für die Landwirtinnen und Landwirte, wie sie beim Umgang zum Schutz und bei Rissen von Kleinvieh einschlägig bekannt sind, stellt das durch die Wolfspräsenz ausgelöste Abwehrverhalten von Rindern gemäss Regierung ein zusätzliches, neuartiges Problem dar. Das Verhalten von aufgescheuchten oder wegen der Nähe von Grossraubtieren beunruhigten Mutter- und Milchkühen sei bis anhin noch nicht vertieft thematisiert worden, heisst es. Insbesondere würden Erkenntnisse darüber fehlen, inwiefern sich damit ein Potenzial zur Gefährdung von Personen, die mit den Tieren arbeiten, und von Menschen, die sich in die Nähe der Herden begeben, auftue.

Aus diesen Gründen hätten sich die für Grossraubtiere und Herdenschutz zuständigen Regierungsräte Cavigelli und Caduff sowie Mitarbeitende des Plantahofs und des Amts für Jagd und Fischerei mit Rindviehhaltern aus der Surselva, dem Bündner Bauernverband sowie Vertretern des Bündner Schafzuchtverbands und des Vereins Mutterkuh Schweiz zu einem Gespräch getroffen. Dabei sei die neue Situation besprochen worden, zudem wurden die Möglichkeiten zur Schadenabwehr und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit erörtert. Solche Treffen sollen künftig regelmässig abgehalten werden, teilt die Regierung mit.

Engagement des Kantons in Bundesbern

Die Möglichkeiten des Kantons, die Landwirtschaft bei ihren Herausforderungen und Sorgen zielgerichtet zu unterstützen, seien jedoch begrenzt, betont die Regierung. Die Regulierung der Wolfspopulationen sei bundesrechtlich klar geregelt und könne nur in diesem Rahmen erfolgen. Die Regierung hat sich deshalb auf Bundesebene in den letzten Jahren immer wieder für eine Anpassung dieser Regelungen eingesetzt.

Abklärungen beim Bund aufgegleist

Mit Regulierungsmassnahmen allein sei den Erwartungen von Landwirtschaft und Tier- und Naturschutz nicht gerecht zu werden, heisst es in der Mitteilung weiter. Es seien Herdenschutzmassnahmen zu ergreifen, wie das Zäunen und der Einsatz von Herdenschutzhunden. Diese würden einen gewissen Schutz bei Kleinvieh wie etwa Schafen bieten. Beim Rindvieh seien sie aber wenig wirkungsvoll, nicht nur wegen der schwierigen Integration der Schutzhunde in die Herde, sondern, weil es in erster Linie nicht um den Schutz der Nutztiere gehe, sondern vielmehr darum, zu verhindern, dass die Rindviehherde Wolfswitterung aufnehme. Die daraus folgende Verhaltensveränderung einzelner Rinder oder der ganzen Herde stelle ein neues Gefährdungspotenzial für Menschen dar, so die Regierung.

Angesichts der neuen Situation ist laut dem Kanton eine Aufarbeitung der bestehenden Grundlagen an die Hand zu nehmen. Die Regierung habe deshalb den Bund aufgefordert, das Potenzial zur Gefährdung von Menschen wegen des Abwehrverhaltens beim Rindvieh in Gebieten mit Wolfspräsenz zu analysieren und Massnahmen zu erarbeiten. Entsprechend sei ein Projekt «Mutterkuh und Grossraubtiere» aufgegleist worden. Die Projektgruppe habe die Arbeit vor Kurzem aufgenommen. (mma)

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