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Schweiz & Welt

Kontrolleure finden nur minimal radioaktiv belastete Pilze

Sara Good
06.01.2023, 13:58 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Auch Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 können Wildpilze aus bestimmten Wäldern noch immer radioaktiv verseucht sein. Das Amt für Lebensmittelsicherheit der Kantone Graubünden und Glarus hat im letzten Jahr 15 Proben von importierten Pilzen auf ihre Radioaktivität untersucht. Laut dem Kantonschemiker Matthias Beckmann nehmen Pilze das Cäsium-137 viel starker auf als Pflanzen. «Wildpilze sind Umwelteinflüssen zudem stärker ausgesetzt als Kulturpilze. Hohe Gehalte an Cäsium-137 sind deswegen vor allem in Wildpilzen zu erwarten», so Beckmann. Wie das Amt in einer Mitteilung schreibt, sind einige Pilze zwar kontaminiert. Die Belastung liege aber deutlich unter dem gesetzlichen Höchstwert, weshalb alle Proben lebensmittelrechtlich konform seien.

Nach dem Nuklearunfall in der damaligen Sowjetunion zog eine radioaktive Wolke nach Mitteleuropa. Die Folgen sind auch 37 Jahre später noch durch radioaktive Spuren in Lebensmitteln feststellbar. Aus diesem Grund wurde die sogenannte Tschernobyl-Verordnung erlassen: Lebensmittel, die aufgrund des Unfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl mit Cäsium-137 kontaminiert sind, dürfen nur eingeführt werden, wenn sie die festgelegten Höchstwerte nicht überschreiten. Einige Lebensmittel aus bestimmten Herkunftsländern dürfen nur zusammen mit einer amtlichen Bescheinigung importiert werden.

Keine Beanstandung

Bei der Untersuchung durch das Amt für Lebensmittelsicherheit wurden im Einzelhandel 15 Wildpilzproben aus verschiedenen Ländern erhoben, darunter auch solche, die von der radioaktiven Wolke von 1986 nicht betroffen waren. Wie Beckmann erklärt, kann man nicht immer davon ausgehen, dass die Herkunft der Wildpilze wahrheitsgetreu deklariert wird. Bei den getrockneten Steinpilzen wurden fünf Proben aus China und je eine Probe aus Serbien, Montenegro, Montenegro/Russland, Bosnien-Herzegowina und Südafrika genommen. Bei den frischen Steinpilzen wurden zwei Proben aus Rumänien und bei den getrockneten Morcheln je eine Probe aus China, Indien und Kanada erhoben.

Die höchsten Werte für Cäsium-137 in Wildpilzen wurden erwartungsgemäss aus den Ländern gemessen, die aufgrund des Tschernobylunfalls eine Bescheinigung für den Import benötigen: Montenegro, Montenegro/Russland und Bosnien-Herzegowina. Der höchste Wert wurde mit 80 Becquerel bei einem Steinpilzprodukt aus Rumänien gemessen. Dieser Wert liegt aber deutlich unter dem gesetzlichen Höchstwert von 600 Becquerel pro Kilogramm. (mitg/gos)

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