Pro & Kontra zur WM mit 64 Teams
Mehr Teams, mehr Märchen, mehr Chaos? Warum die XXL-WM viele Chancen für kleine Nationen bietet – und doch an ihrer eigenen Grösse zu scheitern droht.
Gianni Infantino denkt mal wieder grösser. Kurz vor dem Ende der XXL-WM mit 48 Teams und 104 Spielen hat der Präsident des Fussball-Weltverbands FIFA der nächsten Erweiterung auf 64 Mannschaften die Tür geöffnet. Prompt melden sich zahlreiche Kritiker des vom südamerikanischen Verband CONMEBOL eingereichten Vorschlags zu Wort. Dabei gibt es durchaus positive Aspekte.
Pro
Mehr Teilhabe: Italien wäre dabei! Na gut, Spass beiseite. Der vierfache Weltmeister würde wohl auch hier einen Weg finden, die Qualifikation zu vermasseln. Aber das nur am Rande. Denn das ideologische Kernargument ist identisch mit der 48er-WM. Eine erneute Aufstockung ermöglicht eine wahre globale Teilhabe. So könnte Ozeanien zwei statt einen Startplatz erhalten, Afrika 13 (statt 9) und Asien 12 (statt 8).
«Wenn man kleineren Nationen nicht die Chance gibt, an einer WM teilzunehmen, dann nimmt man ihnen den Antrieb, sich zu verbessern», ist die Argumentation von Infantino. Und der afrikanische Erfolg der aktuellen WM bestätigt ihn gewissermassen. Neun Teilnehmer erreichten die K.o.-Phase, fast doppelt so viele wie bei der bisherigen Bestmarke.
Mehr Fussball-Märchen: Betrachtet man die laufende WM, war der befürchtete Qualitätsverlust nicht in dem Ausmass spürbar wie im Vorfeld befürchtet. Es gab Ausreisser wie das 1:7 von Curaçao gegen Deutschland, aber auch Fussball-Märchen wie das Weiterkommen von Kap Verde. Selbst ein Spiel wie DR Kongo gegen Usbekistan bot letztlich beste Unterhaltung mit spektakulären Toren.
Mehr Entlastung?: Eine WM mit 64 Mannschaften würde 128 Spiele bedeuten. Das ist viel, kann aber an anderer Stelle zur Entlastung führen. Mehr direkte Qualifikationsplätze könnten es Konföderationen erlauben, die Anzahl der Spiele zu senken – und damit ein Gegengewicht zum Überlastungs-Argument schaffen.