Verhältnisse wie in Küblis
Unter der Leitung von Manuela Brunner, Hydrologin und Professorin an der ETH Zürich und am SLF, entspann sich mit diesen Vorgaben ein spannendes Gespräch über Wasser und unseren Umgang mit ihm. Fragen des Publikums gaben dem Gespräch aber immer wieder eine neue Wendung. Zuerst wartete Jan Magnusson, Schneehydrologe am SLF, mit einigen spannenden Zahlen auf. Der während der Schneeschmelze im Frühjahr entstehende Abfluss sei durchaus vergleichbar mit einem Sommergewitter, erzählte er unter anderem. «Dabei kann die Schneedecke bis zu 10 Zentimeter pro Tag schmelzen.» Die Sicht der Davos Klosters Bergbahnen (DKB) brachte Martina Walsoe, Projektleiterin erneuerbare Energien, ein. Sie nannte Wasser die Grundlage ihrer Geschäftstätigkeit. Dabei geht es vor allem um den Schnee. «Wir arbeiten darauf hin, dass wir auf dem Jakobshorn die Pisten innert weniger Tage aus Speicherseen beschneien können. Damit sparen wir Ressourcen.» Aus wasserökologischer Sicht sei in Davos einzig die grosse Saisonalität etwas Spezielles, beschied Adriano Joss, Gruppenleiter Abwasser an der EAWAG, dem Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs.
Zahlreiche Fragen aus dem Plenum
Rasch kam die Frage aus dem Plenum, wie gross die Belastung durch das Salzen im Winter sei. Diese sei nicht akut, lautete die Antwort. Aus dem Plenum kam ebenfalls die Frage, ob die trockenen Winter Sorgen bereiten würden. «Lokal gibt es keine Verknappung», beschied hier Brunner. Aber für tiefer liegende Gebiete könne die Situation wegen mangelnden Abflusses durchaus schwierig werden. Schnell kam man auf die Qualität des Trinkwassers zu sprechen. Die sei in der Schweiz besser als jene von Mineralwasser, beruhigte Joss, sprach aber die Mikroverunreinigungen durch Medikamente und hormonaktive Substanzen an. «Als erstem Land müssen diese in der Schweiz bis 2040 in den Kläranlagen entfernt werden.» Die Umsetzung dieser Vorgabe werde pro Einwohner und Jahr 20 bis 30 Franken kosten, stellte er in Aussicht und erwähnte nebenbei, dass im Sommer geklärte Abwässer rund 20 Prozent des Abflusses des Landwassers ausmachten. Wie es denn mit dem Mikroplastik stehe, wollte da jemand wissen. «In Kläranlagen wird dieser gut zurückgehalten», antwortete Joss. «In der Natur ist dessen Hauptquelle der Pneuabrieb, von dem hierzulande von einem Kilogramm pro Person und Jahr ausgegangen wird.»
Wie in Küblis
Gesprächsleiterin Brunner bat ihre Gäste auch um einen Blick in die Zukunft. «In der Schweiz ist die Temperatur bereits um 2 bis 2,5 Grad gestiegen», erklärte Magnusson. Das führe zu einer acht bis neun Tage früheren Schneeschmelze. Deshalb seien Speichermöglichkeiten so wichtig, sekundierte Walsoe und berichtete, wie die DKB mittels Infrarot-Sensoren beim Präparieren der Pisten den Schnee punktgenau zu verteilen versuchten. Der Konflikt zwischen der Nutzung des Wassers als Energieträger und Wasser als Lebensraum würde sich in Zukunft noch akzentuieren, antwortete Joss weiter auf eine entsprechende Frage. Mangnusson wiederum prognostizierte für Davos in zehn Jahren Bedingungen, wie sie heute in Küblis sind, was Walsoe motivierte, zu betonen, dass die Bergbahnen mit ihrem Beschneiungskonzept die richtige Strategie verfolgten.
Schnell kam das Gespräch auch auf das Thema Wassersparen und Klimaschutz. Unter anderem würden sie an der Sensibilisierung ihrer Mitarbeiter und der Gäste in ihren 3500 Hotelbetten arbeiten, berichtete Walsoe, und Joss forderte zu einer allgemeinen Reduktion des Wasserverbrauchs auf. «Aktuell sind das 120 Liter pro Person und Tag.» Diesen und den Fleischkonsum zu reduzieren, damit sei dem Klima schon viel geholfen.