Kleine Häuschen lösen grosse Fragen aus
Zur Veranstaltung, die am Donnerstag im Hotel Grischa vor einer ansehnlichen Anzahl Zuhörenden durchgeführt wurde, lud die Davoser Mittepartei. Die Co-Präsidentinnen Seraina Mani und Tamara Henderson begrüssten die Anwesenden und führten kurz in das Thema ein. Genauere Infos jedoch lieferte Mitte-Grossrat und Nationalratskandidat Reto Crameri aus Surava. Er ist nicht nur Jurist, sondern auch Bauer und beschäftigt sich schon länger mit dem Thema «Nutzung von Ställen». Denn die abgelegenen Gebäude, die unsere Vorfahren einst aufgestellt haben, werden heute kaum mehr landwirtschaftlich genutzt. Was also machen damit: Sie dem Zerfall preisgeben oder umbauen und einer temporären Wohnnutzung zuführen? Um diese Frage drehte sich der ganze Abend.
Massvolle Umnutzung gefordert
Crameris Referat zeigte schnell: Die politische und rechtliche Situation sind komplex. Sowohl auf Bundes- als auch auf kantonaler Ebene wurde schon versucht, gesetzliche Änderungen herbeizuführen, um den Umgang mit Ställen zu klären. Demnächst werde einer der beiden eidgenössischen Räte wieder eine Änderung des Raumplanungsgesetzes besprechen. Zu klären seien dabei beispielsweise auch Fragen, ob es eine Abbruchprämie für nicht mehr verwendete Ställe geben soll, oder ob es Kompensations- und Aufwertungsmassnahmen braucht. Die Position der Mittepartei umschrieb der Suraver Grossrat folgendermassen: «Wir wollen eine massvolle Umnutzung ermöglichen, aber sicherlich kein ‹Disneyland› ausserhalb der Bauzone».
Die Frage, was ausserhalb der Bauzone möglich sein soll und was nicht, wurde in der anschliessenden Podiumsdiskussion zum eigentlichen Zankapfel. Neben Crameri nahm Ludmila Seifert, Geschäftsführerin Heimatschutz Graubünden, Platz. Für sie ist die Umnutzung eines Stalls in ein Wochenendhäuschen ein No-Go. Denn selbst wenn ein Stall nur im Inneren umgebaut wird und die Hülle erhalten bleibt – für Seifert ist das ein baulicher Eingriff, der ausserhalb der Bauzone nicht zulässig ist. «Aber das Gebäude steht ja schon», konterte Crameri. Der Stall sei dann zwar kein Stall mehr, «aber das ist ja auch nicht schlecht».
«Wenn ein Gebäude, das aus Holz, ein wenig Stein und ein bisschen Metall besteht, zu einer Wohnbaute ausgebaut wird, die unseren heutigen Bedingungen genügen muss – lässt sich so unser Kulturgut wirklich erhalten?», fragte sie. Crameri konnte diese Frage klar bejahen. Von aussen sei den umgebauten Ställen ja kaum etwas anzusehen, meint er. Seifert aber meinte, dass nach einem Umbau viel Sondermüll in einer solchen Baute stecke. Einig wurden sich die beiden Kontrahenten also nicht.
Ruine muss nichts Negatives sein
Auch das Publikum durfte sich an der Diskussion beteiligen. Ein Votant konnte aus seiner persönlichen Erfahrung mit einer kleinen Maiensäss-Siedlung berichten. Er sah insbesondere ein Problem bei der Zufahrt zu den Hüttchen, die teilweise gar nicht mit einer Strasse erschlossen seien. Die Heimatschutz-Geschäftsführerin meinte dazu: «Ja, das hat man nicht im Griff». Crameri hingegen erwiderte, dass man gesetzlich klare Regelungen dafür finden müsse. Eine Votantin fragte Seifert, ob es denn wirklich ihre Überzeugung sei, «nichts» zu machen und die Ställe zerfallen zu lassen. Die Angesprochene erklärte, dass ein Umbau zu einer ganz starken Verfremdung führe. «Eine Wohnnutzung ist für mich kein Erhalt», ergänzte sie. Zudem sei sie der Ansicht, dass ein zerfallener Stall keine Verschandelung der Landschaft sei. «Mich stört eine solche Ruine nicht.» Crameri betonte nochmals, dass es ja das äussere Erscheinungsbild ist, das zähle. «Was sich drinnen abspielt, ist sekundär.»
Es ist zu hoffen, dass die Politik bald eine mehrheitsfähige Lösung für die Ställeproblematik findet. Denn auch in der Region Davos wäre sicher der eine oder die andere daran interessiert, einen alten Stall umnutzen zu können. Das Thema wird auf jeden Fall die Bevölkerung noch einige Zeit weiter beschäftigen.